Sie sind hier:

Stoffgeschichten Wolle – bestrickend schön

 

Stoffgeschichten

Wolle – bestrickend schön

 

Stricken liegt im Trend. Immer jüngere Menschen greifen zu den Nadeln, um ihr ganz persönliches Kunstwerk zu erschaffen. Die ökologischen Ansprüche an Strickwolle sind hoch: bio, fair, umweltfreundlich gefärbt und schön weich. Doch der Weg vom Fell zur Wolle ist alles andere als glatt. Die neue Richtlinie „Textilien“ des Österreichischen Umweltzeichens gibt ökologische Standards vor.

 

Wolle wird aus den Haaren von Schaf, Kamel, Lama, Ziege oder Kaninchen gewonnen. Natürlich spielt es eine Rolle, ob das Tier, das sein Haar für unsere Kleidung hergibt, artgerecht gehalten wird. Bei der konventionellen Wollproduktion werden Schafherden zum Beispiel regelmäßig gegen Parasitenbefall durch Pestizidbäder geführt, Kaninchen in zu engen Käfigen gehalten. Die Spender von Bio-Wolle fressen von organisch gedüngten Naturweiden und werden nicht mit Antibiotika behandelt. Die Verarbeitung der Wolle erfolgt ohne Schadstoffe, sodass sich im Stoff keinerlei Rückstände von Chemikalien befinden.

 

Foto: birgit seyr_wolle

 

Konventionelle Rohwolle wird meist nach der Schur mit Insektiziden besprüht, um einen Mottenbefall zu verhindern, das ist bei Biowolle nicht der Fall. Zum Färben werden nur Pflanzenfarben verwendet. Es lohnt sich also auch hier, konsequent nach Ökolabeln zu fragen.

 

Um das Österreichische Umweltzeichen zu erhalten, muss Wolle aus artgerechter, biologischer Tierhaltung stammen. Das Scheren selbst ist keine Tierquälerei, sondern vergleichbar mit Haare- oder Nägelschneiden.

 

Wolle muss weich sein

Der Feinheitsgrad von Schafwolle ist primär von der Temperatur der Umgebung abhängig, in der die Schafe leben. Heimische Wolle kann nicht mit australischer Merinowolle verglichen werden. Sie ist eher grob. Schafwolle aus Australien lässt sich zu wesentlich feineren Garnen verarbeiten. Je feiner und langfaseriger die Wolle ist, desto dünner kann man den Faden verspinnen. Kurze Fasern führen zu den ungeliebten Kügelchen am Pullover, dem Pilling-Effekt.

 

Durch neuartige Verfahren können Wollstoffe teilweise waschmaschinentauglich gemacht werden. Dabei wird die noch nicht versponnene Wolle mit Enzymen behandelt, die sich nach Wärmezufuhr wieder zersetzten. So bleibt der Faserstamm unberührt während die Faseroberfläche auf ökologisch unbedenkliche Art veredelt wird.

 

Wolle kann verdunstete Feuchte aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen. Die leichte, elastische Faser hält selbst an kalten Wintertagen richtig schön warm. Derzeit kommt die meiste bei uns erhältliche Wolle aus Australien oder Neuseeland, da die dortigen Schäfer durch ihre große Wollproduktion den Weltmarkt bestimmen.