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Mehrweg oder Einweg - was ist besser?

Immer wieder flammt die Diskussion auf, ob Mehrweg- oder Einwegverpackungen ökologisch sinnvoller sind. Red Bull, Pepsi, Lidl und Aldi haben in Deutschland die Lobbyorganisation „Bund Getränkeverpackungen der Zukunft“ (BGVZ) gegründet, die sich für Einweg-Getränkeverpackungen stark macht. Diese seien „hygienischer, leichter und ressourcenschonender“ und wurden kurzerhand als Beitrag zum aktiven Klima- und Umweltschutz erklärt. Ökoexperten teilen diese Meinung jedoch nicht.


Foto: istock

„Die Mehrweg-Pfandflasche ist die in jeder Hinsicht ökologisch beste Getränkeverpackung“, sagt etwa DI Christian Pladerer vom Österreichischen Ökologie-Institut und begründet dies wie folgt: Der Lebensweg einer Getränkeflasche besteht aus Herstellung, Nutzung und Entsorgung. Den größten Ressourcenverbrauch und die damit verbundenen negativen Umweltauswirkungen hat die Herstellung. Am Beispiel der PET-Flasche ist das eindrucksvoll zu sehen: Allein in Wien wurden 2006 rund 80 Millionen 1,5 Liter PET-Einwegflaschen Mineralwasser verkauft. Hätte man das Wasser in PET-Mehrwegflaschen verkauft wären nur 5,3 Millionen Flaschen nötig gewesen und man hätte 5 Millionen Liter Erdöl eingespart. Diese Rechnung basiert auf einer minimalen fünfzehnmaligen Wiederbefüllung. Im Schnitt werden Mehrwegflaschen aus Kunststoff jedoch bis zu 20 Mal, Glasflaschen rund 40 Mal wieder befüllt.

Energie & Klima
Auch bezüglich Klimaschutz sind Mehrwegflaschen den Einweggebinden vorzuziehen. Eine Einwegglasflasche verursacht fünf Mal so viele CO2-Emissionen wie eine Mehrwegglasflasche. Eine Einwegdose (z. B. bei Bier) verursacht drei Mal so hohe CO2-Emissionen wie eine Mehrwegglasflasche. Einwegflaschen aus Kunststoff etwa doppelt so viel wie Mehrwegflaschen aus Kunststoff.

Im Jahr 2007 haben Getränkeverpackungen (Mineralwasser, Limonade, Fruchtsäfte, Bier, Wein, Sekt, Spirituosen) 415.233 Tonnen CO2-Äquivalente in Österreich verursacht. Würden sämtliche Getränke in Österreich auf Mehrweg umgestellt, könnten die CO2-Emissionen um 44 Prozent auf 232.376 Tonnen gesenkt werden.

Abfall
Kunststoff-Einwegflaschen werden bereits nach einmaligem Gebrauch zu 100 Prozent zu Abfall. Bestenfalls landen sie in der getrennten Altstoffsammlung, zu einem großen Teil jedoch auch im Restmüll oder werden einfach achtlos weggeworfen. Sechs von zehn Flaschen werden stofflich verwertet (recycelt), wobei nur ein Teil davon wieder für die Produktion neuer PET-Flaschen verwendet werden kann.
Beim Glasrecycling verhält sich das anders. Das gesammelte Altglas wird eingeschmolzen und zu neuen Glasverpackungen geformt. Gebrauchte Glasverpackungen sind der mengenmäßig wichtigste Rohstoff für neue Glasverpackungen und Glas kann immer wieder in höchster Qualität recycelt werden.

Pfandsysteme
Pfandregelungen führen zu einer hohen Rücklaufquote. Die Flaschen können sehr rasch wieder befüllt und in den Handel gebracht werden. Bei der Glas-Mehrwegflasche ist pro Durchlauf nur 2,5 Prozent neues Material erforderlich. Pfandsysteme reduzieren auch den Anteil achtloses weggeworfener Getränkeverpackungen.

Pfandsysteme gibt es allerdings auch für Einwegflaschen. Viele KonsumentInnen glauben, dass es sich dabei um Mehrwegflaschen handelt, ja sie werden im Handel sogar fälschlich mit „Mehrweg“ gekennzeichnet. Aus den gebrauchten, nur ein Mal verwendeten Flaschen wird Kunststoffgranulat erzeugt. Um daraus eine neue Flasche zu produzieren, muss mindesten 50 % neues Kunststoff-Material hinzugefügt werden. Pfand bedeutet daher nicht gleich Mehrweg und ist daher nicht gleich umweltfreundlich.

Welchen Einfluss hat der Transport?
Ein häufig verwendetes Argument gegen die Mehrwegflasche ist der zusätzliche Transport des Leergutes. Bis zu einer Transportdistanz von rund 750 Kilometern zwischen Abfüllanlage und Verkauf schneiden jedoch auch hier die Mehrwegflaschen aus ökologischer Sicht besser ab als die Einwegflaschen. Die mittlere Transportentfernung von der Abfüll- zur Verkaufsstelle liegt bei Mineralwasser bei 197 Kilometern.

Einwegverpackungen werden zu einer Sortieranlage und im Falle der Verwertung zu einer Recycling-Anlage gebracht. Da in Österreich nur eine derartige Verwertungsanlage existiert, werden hier oft weite Strecken zurückgelegt. Wie bei allen Lebensmitteln sollte auch bei Getränken, egal ob in Mehrweg- oder Einweggebinden, darauf geachtet werden, dass sie möglichst aus der nahen Umgebung stammen.