Recover – Wenn gar nichts mehr geht, geht's in die thermische Verwertung
Was passiert mit Produkten und Materialien, die nicht mehr sinnvoll weiterverwendet oder recycelt werden können? Wir sind nun beim letzten derr 10 R angelangt: Recover – Energierückgewinnung durch thermische Verwertung.
Was bedeutet Recover?
Recover steht im Zusammenhang mit den 10 R der Kreislaufwirtschaft für die Rückgewinnung von Energie aus Abfällen, die sich nicht mehr sinnvoll wiederverwenden oder stofflich recyceln lassen. Bei der Verbrennung unter kontrollierten Bedingungen entsteht Wärme, die zur Erzeugung von Fernwärme, Prozesswärme oder Strom genutzt werden kann.
Auf diese Weise lässt sich der Energiegehalt von Reststoffen noch nutzen, wodurch ein Teil des Bedarfs an anderen Energieträgern ersetzt werden kann. Die ursprünglichen Materialien gehen bei der Verbrennung (im Gegensatz zum Recycling) jedoch weitgehend verloren und stehen nicht mehr für weitere Materialkreisläufe zur Verfügung. Deshalb steht Recover in der Hierarchie der 10 R an letzter Stelle.
Warum die Zusammensetzung von Produkten entscheidend ist
Wie gut Abfälle am Ende ihres Lebenszyklus umweltverträglich thermisch verwertet werden können, hängt wesentlich davon ab, welche Stoffe sie enthalten.
Problematische Inhaltsstoffe können bei der Verbrennung zu erhöhten Schadstoffbelastungen führen, besondere Anforderungen an die Abgasreinigung stellen oder die Qualität und weitere Behandlung der Verbrennungsrückstände beeinträchtigen. Je weniger problematische Stoffe daher bereits bei der Herstellung eingesetzt werden, desto günstiger sind die Voraussetzungen für eine umweltverträgliche Behandlung am Ende der Nutzungsdauer.
Das Österreichische Umweltzeichen berücksichtigt immer den gesamten Lebenszyklus und somit auch die Entsorgung und Verwertung von Produkten. Damit wird bereits beim Produktdesign ein wichtiger Beitrag zur Schadstoffvermeidung und Kreislaufwirtschaft geleistet.
UZ 44: Wärmedämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
Ein besonders anschauliches Beispiel ist in diesem Zusammenhang die Umweltzeichen-Richtlinie UZ 44 – Wärmedämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. Sie umfasst Dämmmaterialien, die überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Bei ihrer Herstellung ist zu berücksichtigen, was nach dem Rückbau mit ihnen geschieht.
Die Richtlinie UZ 44 enthält deshalb konkrete Anforderungen an die Inhaltsstoffe und die Verwertbarkeit. So dürfen keine Stoffe enthalten sein, die bei einer thermischen Verwertung in Müllverbrennungsanlagen erheblich stören.
Damit berücksichtigt die Richtlinie auch die Möglichkeit einer thermischen Verwertung am Ende der Nutzungsdauer. Gleichzeitig hat der selektive Rückbau, die Wiederverwendung und die stoffliche Verwertung Vorrang. Die Dämmstoffe sollen also möglichst lange genutzt und, wenn möglich, wieder in den Materialkreislauf zurückgeführt werden. Erst wenn dies nicht mehr sinnvoll möglich ist, kann die thermische Verwertung eine nachrangige Option darstellen.
Das Beispiel zeigt: Eine umweltverträgliche Verwertung beginnt nicht erst in der Abfallbehandlungsanlage, sondern bereits bei der Auswahl der Roh- und Zusatzstoffe.
Recover: Ein sinnvoller letzter Schritt
Die thermische Verwertung erfüllt eine wichtige Funktion in der Abfallwirtschaft. Sie ermöglicht die energetische Nutzung nicht mehr sinnvoll recycelbarer Reststoffe. Vorrang haben aber stets die Vermeidung von Abfällen, eine möglichst lange Nutzungsdauer sowie die Wiederverwendung und stoffliche Verwertung. Erst wenn diese Möglichkeiten ausgeschöpft oder ökologisch nicht sinnvoll sind, kommt die energetische Verwertung infrage.
Das Österreichische Umweltzeichen unterstützt diesen Ansatz mit einem umfassenden Blick auf den gesamten Produktlebenszyklus. Schadstoffarme Materialien, langlebige Produkte, reparaturfreundliche Konstruktionen und gute Recyclingmöglichkeiten tragen dazu bei, Ressourcen länger im Kreislauf zu halten. Wo eine weitere stoffliche Nutzung nicht möglich ist, helfen geeignete Produktanforderungen dabei, auch die letzte Behandlungsstufe umweltverträglicher zu gestalten.
Mit Recover schließt sich unsere Reihe zu den 10 R der Kreislaufwirtschaft. Die zentrale Erkenntnis: Je früher Kreislaufwirtschaft mitgedacht wird, desto länger können Ressourcen genutzt werden – und desto seltener muss auf das letzte R zurückgegriffen werden.
