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Commodities als Anlageoption für nachhaltige Investor:innen? – eine Nachlese

Commodities sind eine etablierte Anlageklasse an den globalen Finanzmärkten und umfassen unter anderem Energierohstoffe, Industrie- und Edelmetalle sowie Agrarrohstoffe. Für Investor:innen sind sie insbesondere wegen ihrer Diversifikationseigenschaften interessant.

Aus Nachhaltigkeitsperspektive ist diese Assetklasse jedoch von grundlegenden Zielkonflikten geprägt: Viele Rohstoffe sind mit erheblichen ökologischen und sozialen Belastungen verbunden, zugleich sind zentrale Metalle und Mineralien für den Ausbau erneuerbarer Energien bzw. für die Energiewende unverzichtbar. Das Webinar vom 13. April 2026 aus der Reihe „Grünes Geld für grüne Investitionen“ widmete sich daher der Frage, ob und in welcher Form Commodities eine Anlageoption für nachhaltige Investor:innen sein können.

Nach der Begrüßung und Einführung stand zunächst die Nachhaltigkeitsbewertung von Rohstoffen im Mittelpunkt. Christian Loy, Head of Research bei rfu research, zeigte auf, dass Commodities im Sustainable-Finance-Kontext lange einen „blinden Fleck“ darstellten. Während für andere Assetklassen bereits seit Jahren ausgereifte ESG-Methoden und entsprechende Produktlösungen verfügbar sind, fehlte es bei Rohstoffen lange an einer systematischen, belastbaren Nachhaltigkeitsbewertung. rfu entwickelte in der Folge eine spezifische ESG-Rating-Methodik für Commodities, die nicht bei einzelnen Unternehmen ansetzt, sondern den Rohstoff entlang seines gesamten Lebenszyklus betrachtet – von Exploration, Abbau über Verarbeitung und Nutzung bis hin zu End-of-Life-Aspekten. In die Analyse fließen sowohl ökologische Kriterien wie Klima, Wasser, Biodiversität und Emissionen als auch soziale Aspekte wie Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, lokale Gemeinschaften und Governance ein. Die vorgestellten Ergebnisse machten deutlich, dass eine nachhaltige Einordnung von Rohstoffen nur differenziert erfolgen kann. Metalle, die beispielsweise für die Transformation der Wirtschaft wichtig sind, schneiden nicht automatisch positiv ab; vielmehr zeigen sich häufig erhebliche Spannungen zwischen den schädlichen Auswirkungen und dem Nutzen.

Den zweiten inhaltlichen Beitrag setzte Jan Merbecks, Referent für Ethik und Nachhaltigkeit bei der Steyler Ethik Bank, mit einem dezidiert ethischen Blick auf das Thema. Er erläuterte, dass die Steyler Ethik Bank aus grundsätzlicher ethischer Überzeugung nicht mit Rohstoffen spekuliert. Im Zentrum seines Vortrags stand die Frage, ob Commodities als Spekulationsobjekt überhaupt mit einem nachhaltigen und verantwortungsvollen Anlageverständnis vereinbar sind. Kritisch hervorgehoben wurden unter anderem eine mögliche Loslösung der Preisbildung vom Realmarkt, die eingeschränkte Verfügbarkeit von Rohstoffen für den realwirtschaftlichen Kreislauf sowie die Externalisierung gesellschaftlicher und ökologischer Kosten, während Gewinne privatisiert werden. Konsequent daraus folgend schließt die Steyler Ethik Bank Direktinvestitionen in Commodities aus.

Zum Abschluss stellte Thomas Kaiser, CFA, von IQAM Invest, die Perspektive einer Fondsgesellschaft vor und zeigte, wie Nachhaltigkeitsüberlegungen in ein konkretes Commodity-Produkt integriert werden können. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Rohstoffe zwar attraktive Diversifikationseigenschaften besitzen, nachhaltigkeitsorientierte Produktlösungen jedoch lange kaum verfügbar waren. Der IQAM Strategic Commodity Fund versteht sich als Versuch, diese Lücke zu schließen. Der Ansatz beruht auf mehreren Stufen: Zunächst wurden Agrarrohstoffe und Viehzucht aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen. In einem weiteren Schritt werden Rohstoffe auf Basis eines Sustainability Screenings entlang der gesamten Wertschöpfungskette bewertet und im Portfolio je nach Nachhaltigkeitsscore über- oder untergewichtet. Dazu wird auf die rfu-Methodik zur Bewertung der Rohstoffe zurückgegriffen. Ergänzend dazu werden Emissionsrechte in das Collateral eingebunden, um den CO2-Fußabdruck der Rohstoffallokation entlang eines an den Pariser Klimazielen orientierten Reduktionspfads indirekt zu berücksichtigen.

Susanne Hasenhüttl von der ÖGUT, die durch das Webinar führte, bedankte sich am Ende der Veranstaltung bei den Referent:innen für ihre spannenden Einblicke in das Thema Commodities und bei allen Teilnehmer:innen für ihr Interesse sehr herzlich.

Die einzelnen Präsentationen und die Aufzeichnung des Webinars stehen auf der Website der ÖGUT zum Download zur Verfügung: https://www.oegut.at/de/events/2026/04/uz-webinar-commodities.php

Das Webinar wurde von der ÖGUT im Auftrag des BMLUK und in Kooperation mit dem VKI/Österreichischen Umweltzeichen durchgeführt.

Die Richtlinie ist hier einsehbar.

Alle Informationen für Antragsteller finden sich hier.