Frühling im Wienerwald. Copyright by Josef E. Galdberger.
© Josef E. Galdberger.

Wichtiger Schritt für eine gemeinsame Biodiversitätsstrategie 2030

Eine Kommission hochrangiger Expert:innen traf am 14. Juli 2021 erstmals zusammen, um den neuen Entwurf zur Biodiversitätsstrategie 2030 für Österreich zu diskutieren - erstmalig und einmalig, der offene, partizipative Prozess dahinter!

Die Strategie ist ein zentraler Baustein für den Erhalt der natürlichen Vielfalt. Ziel ist es, rund ein Drittel der gefährdeten heimischen Arten und Lebensräume wieder in einen guten Zustand zu bringen und 30 Prozent der Staatsfläche unter Schutz zu stellen. Dazu werden wertvolle Lebensräume wie Flüsse, Wälder und Moore vernetzt, auch die Erhöhung des Anteils der Biolandwirtschaft spielt eine wichtige Rolle. Hier wird ebenfalls ein Ziel von rund einem Drittel bis 2030 vorgeschlagen.

Rund um die Planeralm. Copyright by Josef E. Galdberger.
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Land der Berge - Land der Vielfalt? Es braucht große Anstrengungen um das zu bleiben.

Der Entwurf entstand unter Federführung des Klimaschutzministeriums mit Unterstützung des Umweltbundesamtes und bindet die Anliegen verschiedenster Stakeholder aus Zivilgesellschaft, Politik und Wissenschaft mit ein.

„Unsere Natur ist unsere Lebensversicherung, darauf müssen wir gut aufpassen. Mit der Biodiversitätsstrategie 2030 arbeiten wir an einem Meilenstein für die heimische Artenvielfalt. Wir werden unsere letzten Naturschätze schützen und unseren seltenen Tier- und Pflanzenarten wieder intakte Lebensräume zurückgeben. Hier werden wir gemeinsam mit den anderen Ressorts, den Bundesländern, den zivilgesellschaftlichen Organisationen und der Wissenschaft an einem Strang ziehen – sowohl in der Strategieerstellung als auch in der anschließenden Umsetzung“, erklärt Klimaschutzministerin Leonore Gewessler.

Intakte Natur unverzichtbar

Stefan Schindler, Experte für biologische Vielfalt im Umweltbundesamt, meint dazu: „Als Gesellschaft sind wir auf funktionierende Ökosysteme und Artenvielfalt angewiesen. Sie sind der Schlüssel für unsere körperliche und geistige Gesundheit, sie sind essentiell für den Klimaschutz und eine Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung.“

Um der großen Bedeutung der Biodiversitätsstrategie gerecht zu werden, hat das Klimaschutzministerium einen bisher einzigartigen Weg gewählt: Der Entwurf wurde als partizipativer Prozess im Rahmen von Workshops und Austauschrunden erstellt, nun wird er von der breit aufstellten Biodiversitätskommission aus verschiedensten Perspektiven diskutiert.

Die Vorsitzende der Biodiversitätskommission Valerie Zacherl-Draxler betont: „Biodiversität betrifft uns alle. Daher ist hier ein offener, transparenter und partizipativer Prozess besonders wichtig, um allen Gelegenheit zu bieten, sich einzubringen und damit auch bei der Umsetzung einen entsprechenden Beitrag zu leisten.“

Nach Abschluss der Diskussionen wird die Biodiversitätskommission einen Vorschlag vorlegen. Die finale Biodiversitätsstrategie soll bis Jahresende von der Regierung beschlossen werden. [1]

Artenvielfalt in Österreich

Österreich zählt zu den artenreichsten Ländern Mitteleuropas. Rund 68.000 Arten, davon circa 45.000 Tierarten und circa 2.900 Farn- und Blütenpflanzen, kommen hierzulande vor. Die größte Gruppe machen Insekten mit rund 40.000 Arten aus. Fast 600 Tierarten und circa 150 Pflanzenarten sind einzigartig in Österreich. Diese Vielfalt ist auf die hohe Zahl an unterschiedlichen Lebensräumen zurückzuführen.

Junger Kaiseradler. Copyright by Josef E. Galdberger.
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Galt lange als ausgestorben, der Kaiseradler (Aquila heliaca). Mittlerweile gibt es wieder einige Brutpaare in NÖ und Burgenland, aber leider immer noch „stark gefährdet“.

Ein Blick auf die Rote Listen

Die Aktivitäten des Menschen führten bei vielen Arten zu Lebensraumverlusten, zur Verschlechterung und Zerschneidung von Lebensräumen sowohl auf globaler Ebene, aber insbesondere in den dicht besiedelten Ländern Mitteleuropas. Lebensraumverlust führt zu Populationsrückgängen, Arealverlusten, erhöhtem Aussterbensrisiko und schlussendlich zum lokalen Erlöschen von Populationen und Arten. Rote Listen bieten einen umfassenden Überblick über den Gefährdungsstatus von Arten in einer bestimmten Region. Sie sind eines der am besten etablierten Naturschutzinstrumente. Zeitgenössische Rote Listen informieren darüber hinaus über Gefährdungsfaktoren und Maßnahmen zum Schutz der Arten.

In Österreich sind mehr als die Hälfte aller Amphibien und Reptilien stark gefährdet sowie knapp die Hälfte aller Fische und ein Drittel aller Vögel und Säugetiere.

Das Gesamtbild, das sich aus den Roten Listen gefährdeter Pflanzen ergibt, ist ebenfalls besorgniserregend. Bei der am besten erforschten Pflanzengruppe, den Farn- und Blütenpflanzen, scheinen über 60% der Arten in den Roten Listen auf! Auch bei Moosen und Flechten zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Bei den Großpilzen und Algen konnte jeweils nur eine Auswahl besser bekannter Arten beurteilt werden, sodass konkrete Aussagen noch nicht möglich sind; die Situation der Algen ist wegen des besonders großen Einflusses der Verschmutzung von Luft und Gewässern zusätzlich verschärft. [2]

Zwergiris. Copyright by Josef E. Galdberger.
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Im Bild die stark gefährdete Zwerg-Iris (Iris pumila).

Biotopzerstörung, -veränderung und -zerschneidung sind als Ursachen der Schädigung und Vernichtung von Pflanzen- und Tiervorkommen von überragender Bedeutung!

Toter Kiebitz. Copyright by Josef E. Galdberger.
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Eines von vielen Opfer des Straßenverkehrs – toter Kiebitz (Vanellus vanellus).

Das Österreichische Umweltzeichen – Beiträge zur Biodiversität

Das Österreichische Umweltzeichen trägt auf vielfältigste Weise zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität bei. Hier ein kleiner Überblick:

In der Richtlinie für Tourismus und Freizeitwirtschaft UZ200 wird Biodiversität im Nachhaltigkeitskonzept, bei Schulungen der Mitarbeiter*innen und in den Gästeinformationen behandelt.

Auch bei den Nachhaltigen Finanzprodukten UZ49 spielt Biodiversität eine Rolle. So bei den Kriterien für Anlageprodukte mit Portfoliocharakter (Fonds) für Unternehmen, für Staatsanleihen und staatsnahe Emittenten, sowie Immobilien.

Natürlich spielt Biodiversität eine besonders wichtige Rolle rund um die diversen Produkte im Bereich Garten und Grünraum.

In den Richtlinien im Bildungsbereich (UZ301, UZ302, UZ303) wird Biodiversität nicht nur im didaktisch, sondern auch praktisch gefördert.

[1] https://www.bmk.gv.at/themen/klima_umwelt/naturschutz/biol_vielfalt/
biodiversitaets_strategie_oe2020.html

[2] https://www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/naturschutz/biologischevielfalt

https://www.biologischevielfalt.at/