Kind wird das Windrad erklärt
© Welios

Kunst & Technik trifft Umwelt!

KUNST HAUS WIEN und Welios, sind zwei Museen in Österreich, die höchst engagiert mit Kindern und Jugendlichen über ökologische Fragen sprechen: Das KUNST HAUS WIEN geht dabei von bildender Kunst aus, während das Welios auf der Schiene „Technik“ unterwegs ist.

KUNST HAUS WIEN und Welios, sind zwei Museen in Österreich, die höchst engagiert mit Kindern und Jugendlichen über ökologische Fragen sprechen: Das KUNST HAUS WIEN geht dabei von bildender Kunst aus, während das Welios auf der Schiene „Technik“ unterwegs ist. Beide Häuser sind erfolgreich auf dem richtigen Weg, jungen Menschen ein umweltverantwortliches Leben vorzustellen!

Ein zeitgemäßes Museum bewahrt nicht nur die Vergangenheit und lebt aktiv im Hier und Jetzt, sondern denkt auch an die Zukunft. Dazu ist es wichtig, auch junge Menschen anzusprechen. Das kann gelingen, wenn diese das Museum als Ort der Begegnungen erleben: Begegnung zwischen Mensch und Ausstellungsobjekt, zwischen Mensch und Mensch – und Mensch und Welt.

Ausstellungshäuser, die sich auch verstärkt mit der Welt um sie herum, also mit der „Umwelt“, beschäftigen, dabei einen ökologischen Bildungsauftrag erfüllen, können nun als Qualitätsausweis das Österreichische Umweltzeichen (ÖZ) erwerben.

Vorreiter Hundertwasser. Das KUNST HAUS WIEN - Museum Hundertwasser (www.kunsthauswien.com) ist das erste österreichische Museum, dem dieses staatliche Qualitätszeichen im Juli 2018 verliehen wurde. Wobei dieses Museum ohnehin in ganz besonderer Weise mit dem ÖZ verwunden ist. Gestaltete es doch der Museumsgründer, Friedensreich Hundertwasser (1928 – 2000), der bekannte Maler, Architekt und Umwelt-Vorausdenker. Ausgangspunkt im KUNST HAUS WIEN für Umweltfragen ist – Kunst. „Es ist noch immer ungewöhnlich, dass man aus der Perspektive der Kunst auf Ökologiefragen kommt, und oft sind unsere BesucherInnen sehr überrascht, wie weitläufig und vielfältig sich Kunstprojekte mit diesem Themen befassen“, stellt Frau DI Eva Engelberger vom KUNST HAUS WIEN fest.

Sonnengott Helios. Von Naturwissenschaft und Technik geht hingegen das Umwelt-Engagement des Welios Science Center Wels (www.welios.at) aus. Dieses Mitmachmuseum wurde bereits 2014 als Bildungseinrichtung mit dem ÖZ ausgezeichnet. Wobei der Name „Welios“ Programm ist: Er setzt sich aus Wels und Helios, dem Gott der Sonne, zusammen. Und erneuerbare Energie ist eben eines der Kernthemen des Welios, dessen Architektur das größte Niedrigenergiehaus Österreichs darstellt.

Umweltbildung im Museum? Uns interessiert nun, ob und wie in beiden Häusern Umweltbildung für Kinder und Jugendliche geschieht, welche Ansätze es dazu in entsprechenden ökologischen Vermittlungsformaten gibt. Dazu haben wir mit Frau DI Eva Engelberger, KUNST HAUS WIEN, und Herrn Mag. Michael Holl, Welios, gesprochen.

Frau Engelberger, wird die Symbolik des von Friedensreich Hundertwasser entworfenen ÖZ bei museumspädagogischen Aktivitäten in Ihrem Haus besprochen?

„Das ÖZ, das nun in gewisser Weise ‚nach Hause‘ zurückgekehrt ist, wird in der Vermittlung, vor allem wenn es um das graphische Werk von Hundertwasser geht, vielfach besprochen. Es birgt die Elemente der Ökologie – Erde, Wasser, Natur und Luft – und hat einen hohen Wiedererkennungswert, unabhängig von Altersstufe, Bildungsgrad oder Demografie.“

Inwieweit prägen die Persönlichkeit Hundertwassers, seine „Philosophie“ die Vermittlungsformate für Kinder und Jugendliche im KUNST HAUS WIEN?

„Bei Hundertwasser sind Leben und Werk sehr eng miteinander verwoben. Man denke hier nur an sein Leben auf seinem Boot ‚Regentag‘, auf dem er viele Jahre malte, reiste, auf dem Wasser lebte. Hundertwassers künstlerische Konzepte und ökologische Visionen kann man nicht auseinanderdividieren. Auch sein umweltpolitisches Handeln ist eng an seine Person als anerkannter Künstler angebunden. Dies kommt uns für diese Besuchergruppen sehr entgegen, denn die Geschichte seines Lebens ist unbestritten auch die Geschichte seiner Werke und seines Denkens – diese kann man unheimlich gut erzählen und auch sehr anschaulich bebildern.“

Welchen Stellenwert hat „Umweltbildung“ bei museumspädagogischen Aktivitäten, Frau Engelberger?

„Hundertwasser predigte in allen seinen Handlungsfeldern ein Leben so nah wie möglich an der Natur und im Einklang mit der Natur. Seine architektonischen Konzepte zeugen davon – siehe ‚Fensterrecht‘, die unebenen Böden usw. Insofern stößt man in unserem Museum, oft geradezu unbemerkt oder zumindest spielerisch, auf Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. Wir denken, dass wir eine Vielzahl von Menschen mit der Reflexion über ihr Handeln auf der Erde konfrontieren, ohne dies mit erhobenem Zeigefinder zu tun. Genau darin liegt auch die Stärke dieser Didaktik: Man lernt über künstlerische Ansätze über Ökologie und Umweltschutz. Und erfährt dabei, dass die für den damaligen Zeitpunkt eher als ‚versponnen‘ angesehenen Ansätze Hundertwassers heute extrem aktuell sind.“

Das KunstHausWien

© KunstHausWien

Herr Holl, welche Bedeutung hat der Umweltgedanke bei Vermittlungsformaten im Welios?

„Einen sehr wichtigen! Wir schaffen bei ihnen u.a. Bewusstsein für Ressourcen-Schonung und erneuerbare Energie. Im Science-Center haben wir ca. 120 Hands-on- Exponate und bei diesen erfährt auch der junge Besucher viel zu Umweltfragen.“

Frau Engelberger, gibt es spezielle Umwelt-Formate für Kinder und Jugendliche im KUNST HAUS WIEN?

„Wir bieten eine Vielzahl an Formaten an. Exemplarisch möchte ich die ‚Hundertwasserbox‘ erwähnen: Kinder ab 3 Jahren erkunden mit ihren Eltern spielerisch die Hundertwasser-Dauerausstellung. Sie zeichnen dabei, lösen Rätsel, schmücken Fenster mit Mosaiksteinen. Bei Jugendlichen kommen z. B. Poetryslams gut an. Sie beschäftigen sich dabei sehr kreativ und lustvoll mit Klimafragen oder gesellschaftspolitischer Verantwortung.

Mit Lehrlingen, einer von schulisch vermittelten Kulturangeboten eher ausgegrenzten Gruppe, thematisieren wir beispielsweise wie in ihren Betrieben ökologisches Handeln verbessert werden kann.“

Im Welios sind "Technik" und "Naturwissenschaften" die großen Themen, welche die Besucher mit allen Sinnen erleben. Wird im Bereich „Technik“ mit den jungen Besuchern über Umweltschutz diskutiert, Herr Holl?

„Wir bieten speziell für Schulen Workshops und Programme an, zum Beispiel den Workshop ‚Energie begreifen‘ in Kooperation mit der Energie AG. Die Dauerausstellung beinhaltet viele Exponate mit denen veranschaulicht wird, in welchem Ausmaß Energie im Alltag verbraucht wird. Das wird auch im sogenannten ‚Energiehof‘ deutlich gemacht. Die Bedienung von Haushaltsgeräten, die benötigte Energie für die Essenszubereitung oder der Kreislauf eines Wasserkraftwerkes sind Beispiele für unsere Umweltformate. Mit diesen wird sicherlich ein entsprechendes Bewusstsein geschaffen.“

Frau Engelberger, welche konkreten ökologischen Fragen werden im Kunst Haus Wien mit Kindern und Jugendlichen bearbeitet?

„Die Impulse dazu gehen von den Ausstellungen aus, z. B. das Thema ‚Klimawandel‘: Wodurch wird Klimawandel verursacht? Was können wir tun, um diesem entgegen zu treten? In den Ausstellungen von Edward Burtynsky oder der Schau ‚Visions of Nature‘ wurden ganz zentral Themen wie Wasserentzug, Bodenversiegelung oder Abbau fossiler Brennstoffe behandelt. Wie immer in Form von Kunst oder aus der Perspektive der Kunst, das ist das Besondere an unserem Haus.“

Es ist zu hoffen, dass viele österreichische Ausstellungshäuser den Beispielen von KUNST HAUS WIEN und dem Welios folgen und sich auf den Weg machen, um das ÖZ zu erwerben!