Krokus auf der Koralm. Copyright by Robert Erhart.
© Robert Erhart.

Raus in die Natur - aber richtig!

Die ersten Frühlingsblumen sprießen und mit ihnen erblüht die Hoffnung auf baldige Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Locker waren die vergangenen Monate wohl für niemanden. Home-Office, Distance-Learning, überwiegend digitale Kommunikation – viel Zeit in den eigenen vier Wänden und vor Bildschirmen...

... Wie sich schon letztes Jahr zeigte, ist das ein idealer Nährboden. Ein Nährboden für Sehnsucht… nach Freiheit, Selbstbestimmung, echten Erlebnissen. Kein Wunder also, dass es immer mehr Menschen genau dorthin zieht, wo sie das finden: in die Natur.

Dass es immer mehr werden, belegt nicht nur die Statistik des Österreichischen Alpenvereins, der inzwischen über 600.000 Mitglieder zählt. Auch Berichte von langjährigen Hüttenwirt*innen und Bergwacht-Mitarbeiter*innen bestätigen diesen Trend. Ein Trend, der aus persönlicher und gesundheitspolitischer Sicht erfreulich ist: (Berg-)Sport stärkt erwiesenermaßen das Herz-Kreislauf- und Immunsystem und trägt zu psychischer Stabilität bei. Nicht selten berichten Outdoor-Begeisterte von fast magischen Momenten der Selbstwirksamkeit und hinterher aufgefüllten Energie-Tanks, die Kraft und Motivation für die Herausforderungen des Alltags geben. Daher kann all jenen, die diese Erfahrung (noch) nicht gemacht haben, nur nahegelegt werden: sucht und findet eure „Wege ins Freie“!

Freiheitsgefühle in den Bergen. Copyright by Norbert Freudenthaler.
© Norbert Freudenthaler.

Freiheitsgefühl in den Bergen von Norbert Freudenthaler.

Wege ins Freie – mit Verantwortung und Respekt

Ein Motto dem sich der Alpenverein verschrieben hat. Doch zu diesem im Freien-Sein, diesem Frei-Sein, gehört mehr als das Streben nach individuellen Glücksmomenten:

„Die Freiheit besteht darin, dass man alles das tun kann, was einem anderen nicht schadet“, hat schon der deutsche Lyriker Matthias Claudius vor über 200 Jahren festgestellt. Oder Albert Camus noch radikaler: „Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten“.

Sich das auch für das eigene (Nach-)Wirken in der (Berg-)Natur vor Augen zu halten, ist wichtig. Denn die oben beschriebene Zunahme an Erholungssuchenden bringt auch Probleme mit sich: Zugeparkte Einfahrten, achtlos weggeworfener Müll, als Klos verwendete Heustadel, missachtete Sperrgebiete – das führt zu Ärger bei Grundbesitzer*innen, Jäger*innen und schadet den Ökosystemen. Immer wieder werden Forderungen laut, Menschen aus bestimmten Regionen dauerhaft auszusperren. Die alpinen Vereine sehen sich als Hüter der Wegefreiheit und Interessensvertreter der Bergsportler*innen, weshalb sie sich gegen derartige Forderungen wehren. Dennoch ist es auch ihnen ein großes Anliegen, zu einem möglichst konfliktfreien Miteinander beizutragen und Menschen zu naturverträglichem Verhalten zu motivieren.

Der imposante Alpensteinbock genießt die Ruhe. Copyright by Felix Mittermeier.
© Felix Mittermeier.

Das Gebirge ist das Wohnzimmer von Wildtieren, die gerne ihre Ruhe genießen – verhalten wir uns wie respektvolle Gäste. Foto von Felix Mittermeier.

Worauf ist zu achten?

Genießen Sie die wunderschöne Landschaft und achten Sie auf sich und Ihre Umwelt. Das Wichtigste kurz zusammengefasst:

  • Möglichst umweltfreundlich anreisen: Öffis nutzen oder Fahrgemeinschaften bilden, Mehrtagesausflüge statt mehrere Tagesausflüge unternehmen
  • Hinweistafeln und Sperrgebiete beachten
  • Privateigentum respektieren
  • Auf markierten Wegen bleiben
  • Müll wieder mitnehmen
  • Wildtiere nur aus der Entfernung beobachten, nicht aufschrecken und nicht in die Enge treiben
  • Hunde an die Leine nehmen
  • Lärm vermeiden – in kleinen Gruppen funktioniert das besser als in großen
  • Sich weiterbilden – denn nur was man kennt, schützt man

Nachhaltige Bildung – Nachhaltiger Umgang

Die Alpenverein-Akademie, die seit Beginn des Jahres 2021 Träger des Österreichischen Umweltzeichens ist, setzt genau an diesem letzten Punkt an. Ihr Auftrag ist es, allen Interessierten und speziell den über 20.000 Funktionär*innen des Alpenvereins, umfangreiche Ausbildungsangebote zur Verfügung zu stellen. In rund 400 Kursen jährlich können Teilnehmende ihre Kompetenzen in den Bereichen Bergsport, Jugend- und Kulturarbeit und im alpinen Natur- und Umweltschutz verbessern und weitergeben. Zur Website der Alpenverein-Akademie: www.alpenverein-akademie.at

Entdeckung der Pflanzenwelt. Copyright by Heli Düringer.
© Heli Düringer.

Die Alpenverein Akademie hat ein vielfältiges Angebot für Berg- und Naturbegeisterte. Foto von Heli Düringer.

Der Österreichische Alpenverein ist nicht nur der größte Bergsportverein und die größte Jugendorganisation Österreichs, sondern als „Anwalt der Alpen“, der Mitsprache bei großen Genehmigungsverfahren im alpinen Raum hat, auch eine der bedeutendsten Natur- und Umweltschutzorganisationen.

Ein herzliches Dankeschön an den Autor: Benjamin Stern, Alpenverein Akademie, 2021.