Reuse: Tipps von 8 Migrantinnen im Verein Peregrina
Reuse - „Wiederverwenden/Weiterverwenden“. Mit diesem Thema haben wir uns im Projekt „Green Skills für die Arbeitswelt der Zukunft“ im Verein Peregrina beschäftigt. Was fällt uns, einer internationalen Frauengruppe, die gemeinsam bei Peregrina Deutsch lernt und sich mit dem Thema Green Skills und Umweltschutz auseinandersetzt, zum Thema „Reuse“ ein?
Welche Erfahrungen haben wir damit, welche Tipps möchten wir weitergeben? Es folgen Eindrücke von 8 migrantischen Frauen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen:
1) Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und dort war es immer wichtig, Dinge gut zu bewahren, sorgfältig zu benutzen und immer wieder zu verwenden. Man hat wenig weggeworfen. Die Essensreste konnte man immer als Tierfutter benutzen, Dünger zuerst kompostieren lassen und danach beim Pflanzenanbau als wertvolle Zutat benutzen. Das war biologischer Anbau, bevor „Organic“ noch ein Trend war.
Als drittes Kind in meiner Familie habe ich immer die Kleidung von meinen Schwestern geerbt und getragen. Meine Mutter hat immer viele Hauspflanzen gehabt, obwohl sie nie neue Pflanzen gekauft hat; sie hat sie immer wieder neu umgepflanzt und aus ursprünglich einem Topf, den sie von einer Nachbarin oder Cousine als Geschenk bekommen hat, viele neue Töpfe gemacht.
Kleine Teppiche konnte meine Mutter auch aus alter Kleidung knüpfen. Die waren sehr robust und immer mit Streifen. Möbel zu reparieren, neu zu streichen, das war immer mein Ding! Ich habe das immer gerne gemacht und stolz weiter benutzt. Manchmal wollten sogar andere Menschen diese alten Möbel von mir kaufen, aber das wollte ich nie machen.
Mein Tipp für die Menschen hier in Österreich ist, die Dinge nicht einfach wegzuwerfen, obwohl das am einfachsten wirkt. Es ist um so viel umweltfreundlicher sie weiter zu geben! (Nadica T.)
2) Ich erinnere mich, als mein Mann zu mir gesagt hat, er hat die Armbanduhr von seinem Opa bekommen. Diese Uhr war sehr schön. Sie ist etwas Besonderes, weil sie eine Geschichte hat. Die Uhr ist gebraucht, aber sie wird weiter benutzt und sie ist wertvoll und kostbar, da sie eine Erinnerung ist.
In meinem Heimatland gibt es viele Reuse-Ideen. Kleidung wird weitergegeben oder umgenäht, Gläser werden wiederverwendet und Möbel repariert oder neu gestrichen statt sie wegzuwerfen. Außerdem werden Essensreste kreativ weiterverwendet, um neue Gerichte zu kochen. (Roze S.)
3) Ich denke sofort an den uralten Korb, den der Großvater meiner Mutter vor langer Zeit geflochten hat, und der immer noch bei der Ernte der Feigen im Einsatz ist! In meinem Land haben wir große Felder mit Feigen, die mit solchen geflochtenen Körben einmal im Jahr geerntet werden. Diese Körbe sind mit der Hand gemacht, sehr schön und auch teuer, und es ist eine alte Berber-Tradition.
Eine andere Tradition in meinem Land ist das alte Tongeschirr, das Frauen oder Männer mit der Hand aus Erde gemacht haben und mit dem wir kochen. Auch das werfen wir nicht weg, wenn es Sprünge bekommt, sondern wir benutzen es als schöne Deko im Garten, als Töpfe für Kräuter oder andere Pflanzen.
Mein Tipp ist alte Kleidung nicht wegzuwerfen, sondern die Stoffe in Bänder zu zerschneiden, in Fäden zu zupfen und daraus Teppiche in verschiedenen Arten und Größen zu knüpfen. (Rinida B.)
4) In Ungarn gibt es viele Flohmärkte, wo die Leute alte und gebrauchte Dinge kaufen und verkaufen können. Im Zentrum der Stadt befindet sich dieser Markt, den ich sehr mag. Dort kann man viele wertvolle, kostbare Dinge finden. Alles, was zu Hause ist, kann man dorthin bringen und verkaufen. Das ist ein gutes Hobby, aber manche Leute betreiben es wie eine Arbeit. Jedes Wochenende gehen sie dorthin und jagen nach wertvollen Dingen. In Österreich finde ich auch sehr viele Flohmärkte, wo man tolle Sachen kaufen kann. Und es gibt auch Sozialgeschäfte, wo Familien mit niedrigem Einkommen zum Beispiel Kleidung und Spielzeug für die Kinder kaufen können. (Hajnalka D.)
5) „Weiterverwenden“ bedeutet für mich Dingen ein zweites Leben zu geben. Zum Beispiel alte Möbel neu zu streichen oder umzugestalten, Gläser als Vorratsbehälter weiter zu benutzen, Kleidung umzunähen, mit alten Materialien zu basteln. Der wichtigste Vorteil ist dabei Geld zu sparen und nichts Neues kaufen zu müssen.
In meinem Land ist Reuse im Alltag stark verbreitet, aus Gewohnheit, Sparsamkeit und weil man gelernt hat, Dinge möglichst lange zu nutzen. Man teilt und gibt weiter: Kinderkleidung wird an Jüngere weitergegeben; verschiedenste Dinge werden unter Nachbarn und Freunden verliehen; gut erhaltene, nicht mehr benötigte Dinge werden verschenkt; beschädigte Geräte werden oft selbst oder von Bekannten repariert. (Lena K.)
6) Mir fällt zum „Weiterverwenden“ ein: Sparen und Voraussicht, also in die Zukunft zu denken. In meinem Land ist die Situation bei der Wiederverwendung von Kleidung, Haushaltgegenständen und Elektrogeräten ähnlich wie hier. Der Unterschied besteht darin, dass die Nutzungsdauer länger ist: Die Dinge werden länger verwendet, bis sie wirklich alt und abgenutzt sind, und erst dann werden sie weggeworfen.
Der Platz in Wohnungen ist oft begrenzt, deshalb kann man alte Dinge, die man nicht mehr benutzt, nicht aufbewahren. Es sei denn, es handelt sich um kleine Dekorations- oder Erinnerungsstücke, die man leicht in einer Ecke platzieren kann. Solche Gegenstände findet man in meinem Land zum Beispiel auch in Museen, damit die Kultur der Vergangenheit erhalten bleibt und für zukünftige Generationen lehrreich ist. (Marzie B.)
7) Mir kommt bei „Weiterverwendung“ der Kupferkessel meiner Großmutter in den Sinn, mit einem Fassungsvermögen von 3-4 Litern. Darin koche ich jedes Jahr Marillen- oder Erdbeermarmelade. In meinem Land ist eine spezielle Situation – dort ist Krieg. Aktivisten sammeln dort Kunststoffdeckel von Plastikflaschen, da es sich um einen sehr festen Kunststoff handelt. Daraus werden Prothesen für Soldaten hergestellt. Fischernetze werden als Tarnnetze verwendet, um sich vor Drohnen zu schützen.
Und noch eine Kindheitserinnerung zum Thema Second-Hand: Als ich noch Schülerin war, gab es eine Zeit des Mangels. Meine Tante kam auf die Idee, aus alten, schönen gesammelten Kleidern Haargummis und Haarreifen zu nähen. Damit verdiente sie ihren Lebensunterhalt. (Tetiana S.)
8) Heutzutage ist es sehr wichtig, Dinge nicht sofort wegzuwerfen, sondern sie weiterzuverwenden. Durch Wiederverwendung kann man Müll reduzieren und die Umwelt schützen. In meinem Heimatland ist es ganz normal, Dinge weiterzuverwenden, statt sie sofort auszusortieren. Viele Menschen reparieren kaputte Dinge selbst oder bringen sie zu einem Handwerker. Ein guter Tipp aus meiner Erfahrung ist, alte Kleidung nicht wegzuwerfen, sondern zu spenden oder sie umzunähen. Man kann Geld sparen und gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt tun.
Außerdem werden in meinem Heimatland alte Autoreifen häufig weiterverwendet. Es gibt viele kreative Ideen dafür. Man kann aus alten Reifen Blumentöpfe machen und sie im Garten aufstellen. Manche Menschen bauen auch Möbel daraus, wie kleine Tische oder Sitzplätze. Noch dazu werden alte Reifen zu Dekorationszwecken oder zum Spielen im Kindergarten, auf Spielplätzen oder auf der Straße verwendet.
Ich finde, das ist eine gute Möglichkeit, alten Dingen ein zweites Leben zu geben. (Maryna P.)
