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Reuse in der Praxis: Wenn Produkte ein zweites Leben bekommen

Warum entsorgen, was noch funktioniert? Genau hier setzt Reuse an: Statt funktionsfähige Dinge vorschnell zu entsorgen, umzugestalten oder in Einzelteile zu zerlegen, sollte man ihre Nutzungsphase durch Wiederverwendung verlängern und somit ihren Lebenszyklus konsequent weiterdenken.

Während die ersten drei R’s - Refuse, Rethink, Reduce- auf grundlegende Veränderungen in Produktions- und Konsummustern abzielen, stellt Reuse oder die Wiederverwendung eine ganz andere Frage: Was passiert mit Produkten, die bereits im Umlauf sind? Als zentrales Prinzip der Kategorie „verlängerte Lebensdauer“ verfolgt Reuse das Ziel, den Wert von Produkten so lange wie möglich zu erhalten. Das gelingt, indem Produkte so oft wie möglich in ihrer ursprünglichen Form genutzt werden.

Ausgebaut statt aussortiert: Praxisbeispiel Fenster

Wie Wiederverwendung konkret funktionieren kann, zeigt ein Blick in die Bauwirtschaft. Initiativen wie BauKarussell machen vor, wie ausgediente Gebäude nicht als Fall für die Müllhalde, sondern als wertvolle Produktquelle betrachtet werden können. Mit dem Ansatz des „Social Urban Mining“ wird der Gebäudebestand systematisch analysiert und auf sein „Re-Use-Potenzial“ geprüft. Bauteilkataloge helfen dabei, geeignete Bauteile systematisch zu erfassen und für eine Zweitnutzung verfügbar zu machen. Bei den operativen Tätigkeiten wie Demontage, Aufbereitung und Zwischenlagerung wird mit sozialwirtschaftlichen Partnern zusammengearbeitet, wodurch gleichzeitig soziale Mehrwerte geschaffen werden.

Auch digitale Lösungen treiben die Wiederverwendung voran: Unternehmen wie Concular erstellen Materialkataster und Gebäuderessourcenpässe, die dokumentieren, welche Produkte wo verbaut sind und wann sie wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden können.

Ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Reuse ist zudem die Qualitätssicherung. Die MA 39 der Stadt Wien geht mit gutem Beispiel voran und prüft Bestandsfenster auf ihre Wiederverwendbarkeit. Neben Sichtprüfungen und Funktionskontrollen werden auch Materialeigenschaften sowie der Wärmeschutz bewertet. Die Ergebnisse werden in „Reuse-Prüfprotokollen“ dokumentiert und schaffen die Grundlage für eine sichere Zweitverwendung.

Fenster mit Blick nach draußen
© Nick Romanov / Unsplash

Ausblick: Umweltzeichen für nachhaltige Fenster

Parallel dazu wird aktuell an eine neue Umweltzeichen-Richtlinie für Holz(Alu-)Fenster erarbeitet. In einem Multi-Stakeholder-Prozess werden Kriterien entwickelt, um besonders umweltfreundliche Produkte auszuzeichnen. Dabei steht unter anderem die Wiederverwendbarkeit stark im Fokus. Die Veröffentlichung der Richtlinie ist für Jänner 2027 geplant.