Kreislaufwirtschaft. Copyright by Stanislaw Pytel via Getty Images.
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Die Österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie - wo stehen wir?

Der starke Anstieg im Ge- und Verbrauch von Ressourcen in den letzten Jahrzehnten verursacht erhebliche Umweltbelastungen. Der Klimaschutz erfordert daher rasch eine fundamentale Transformation: Von einer linearen „take-make-use-waste“ Wirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft.

Unsere gegenwärtige Wirtschafts- und Lebensweise erhöht permanent den Druck auf unseren Planeten. Demzufolge sind die „planetaren Grenzen“ bereits vielfach überschritten und sind unsere ökologischen Lebensgrundlagen stark bedroht. Darüber hinaus verschärfen zunehmende geostrategische Abhängigkeiten und geopolitische Konflikte die Weltlage. Das stellt uns vor enorme ökologische, soziale, ökonomische und technologische Herausforderungen, um die zu bewältigen bedarf es einer langfristigen Sicht und Strategie zur Neuorientierung.

Der starke Anstieg im Ge- und Verbrauch von Ressourcen in den letzten Jahrzehnten verursacht erhebliche Umweltbelastungen. Zum Beispiel, die Treibhausgasemissionen sind zu rund 50 Prozent, und der Biodiversitätsverlust und der Wasserstress zu mehr als 90 Prozent auf die Gewinnung und Verarbeitung von Ressourcen zurückzuführen. Die Verringerung des Ressourcenverbrauchs und der Abfälle und Emissionen hat daher im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung und des Klimaschutzes eine besondere Bedeutung. Die Realisierung erfordert eine fundamentale Transformation: Von einer linearen „take-make-use-waste“ Wirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft. Das ist das Ziel der neuen österreichischen Kreislaufstrategie.

In einer Kreislaufwirtschaft werden Rohstoffe und Ressourcen umweltverträglich gewonnen und die daraus produzierten Güter möglichst ressourcenschonend und abfallarm hergestellt. Die Lebensdauer der Erzeugnisse wird verlängert und deren Nutzung intensiviert. Am Ende ihrer Verwendung werden Produkte und Güter in den Produktkreislauf zurückgeführt, um ihren Wert so lange wie möglich zu erhalten. Eine Kreislaufwirtschaft ermöglicht eine Entkoppelung der wirtschaftlichen Entwicklung von der Nutzung natürlicher Ressourcen und trägt zur Verringerung von Abhängigkeiten bei.

Der Weg der Kreislaufwirtschaftsstrategie

Die Österreichische Bundesregierung setzt sich im aktuellen Regierungsprogramm das Ziel, die Kreislaufwirtschaft zu forcieren. Eine zentrale Maßnahme ist die Ausarbeitung einer nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie. Im Herbst 2020 wurde im Klimaschutzministerium mit der Entwicklung einer Kreislaufwirtschaftsstrategie begonnen unter breiter Einbindung aller relevanter Stakeholder aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft, Ministerien, Bundesländer und Forschung.

Am Beginn stand eine Online-Umfrage mit 405 Teilnehmer:innen, gefolgt von vertiefenden Interviews mit ausgewählten Early Adopter aus verschiedenen Branchen. In mehreren online-Workshops welche im Frühjahr 2021 stattfanden, brachten ca. 250 Akteur:innen an die 600 Maßnahmenvorschlägen zu den Transformationsschwerpunkten Bauwirtschaft, Mobilität, Kunststoffe und Verpackungen, Textilien, Elektro- und Elektronikgeräte, Biomasse, und Abfallmanagement ein. Die Ergebnisse dieser Workshops gingen in den Strategieentwurf ein und bilden erste Ansatzpunkte für den Übergang in eine nachhaltige und zirkuläre Wirtschaft und Gesellschaft.

Der Entwurf der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie wurde im Dezember 2021 fertiggestellt und einer öffentlichen Begutachtung unterzogen. Der Entwurf fand in der interessierten Öffentlichkeit eine hohe Resonanz. Viele Stellungahmen gingen ein und viele wesentliche Ergänzungen und Erweiterungen konnten in die Strategie übernommen werden. Im Rahmen des Circular Economy Summit Austria im März 2022 wurde der Strategieentwurf erstmals öffentlich präsentiert. Das Begutachtungsverfahren wie auch der Summit zeigen, das große Interesse an der Kreislaufwirtschaftsstrategie. Das Klimaschutzministerium arbeitet aktuell intensiv an der Finalisierung der Kreislaufwirtschaftsstrategie und einen Beschluss durch den Ministerrat. Voraussichtlich wird die Strategie im Juni 2022 veröffentlicht werden.

Die zentralen Elemente der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie

Im Mittelpunkt der Kreislaufwirtschaftsstrategie stehen die Vision, Grundsätze und Ziele. Die Vision in der Kreislaufwirtschaftsstrategie verfolgt die Umgestaltung der österreichischen Wirtschaft und Gesellschaft in eine klimaneutrale, nachhaltige Kreislaufwirtschaft bis 2050. Das ermöglicht eine nachhaltige Entwicklung, die sowohl das Funktionieren unseres Ökosystems wie auch Lebensqualität und materiellen Wohlstand für uns und die zukünftigen Generationen sichert.

Die in der Strategie aufgenommenen Kreislaufwirtschaftsgrundsätze spielen eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Instrumenten und Maßnahmen. Prioritär ist, Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle von Beginn an umfassend kreislauffähig zu gestalten (circular by design), um damit den Ressourcenverbrauch zu vermeiden oder zu reduzieren. Mit Wiederverwendung, Wartung und Reparatur oder Refurbisment wird die Nutzungsdauer verlängert. Mit dem Recycling werden Materialen als Sekundärrohstoffe wieder in den Produktionskreislauf rückgeführt werden.

Das Kernstück der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie bilden die strategischen Ziele:

  • Verminderung des Ressourcenverbrauchs und der Ressourcennutzung
  • Vermeidung von Abfällen
  • Vermeidung von Umweltverschmutzung durch Schadstoffe
  • Verringerung der Treibhausgas-Emissionen

Zusätzlich gibt es konkret messbare Ziele, wie die Reduktion des Materialfußabdrucks, die Steigerung der Ressourcenproduktivität, die Steigerung der Zirkularitätsrate, und die Reduktion des materiellen Konsums der privaten Haushalte.

Neben der Vision, Grundsätze und den Zielen umfasst die Strategie auch die rechtlichen Rahmenbedingungen, Marktanreize, Finanzierung und Förderung, Digitalisierung und die Zusammenarbeit. Darüber hinaus enthält sie auch die Ansatzpunkte für die Transformation mit umfangreichen Maßnahmenvorschlägen in den Schwerpunktfeldern.

Weitere Informationen über den Entwurf der Kreislaufwirtschaftsstrategie

Lesen Sie hier, wie das Österreichische Umweltzeichen den Weg zur Kreislaufwirtschaft unterstützt.