Grüne Mehrweg-Glasflaschen
© Foto von Lacey Williams auf Unsplash

Reuse: Wiederverwenden statt wegschmeißen

„Reuse“ trägt maßgeblich dazu bei, Ressourcen zu schonen und Abfälle zu reduzieren. Als 4. der grundlegenden R-Prinzipien folgt es direkt auf „Reduce“ und forciert die möglichst lange Wiederverwendung vorhandener Produkte. Das Österreichische Umweltzeichen unterstützt diese Entwicklung aktiv durch Mehrweg-Richtlinien, die hohe ökologische Standards bei der Wiederverwendung sicherstellen. Zur UZ 26 Mehrweggebinde kamen Anfang dieses Jahres noch zwei weitere Mehrwegrichtlinien in den Bereichen Transportverpackung und Take-away dazu.

Reuse bedeutet, Produkte nach ihrer ersten Nutzung nicht direkt zu entsorgen, sondern sie so lang es geht im Umlauf zu halten. Durch Wiederverwendung können Rohstoffe geschont, Energie eingespart und somit Umweltbelastungen deutlich reduziert werden. Das Thema ‚Mehrweg‘ ist schon seit langem in vielen Umweltzeichen-Richtlinien verankert. Besondere Beachtung findet es in der UZ 62 (Richtlinie für Green Events und Green Meetings) und in der UZ 200 im Bereich Tourismus, die Einweglösungen weitestgehend verbieten.

Im Verpackungsbereich zeigt sich das große Potenzial dieses Ansatzes: Mehrwegsysteme ersetzen Einwegprodukte und tragen so zur Abfallvermeidung bei.

UZ 26 – Mehrweggebinde

Mehrweggebinde für Getränke und flüssige Lebensmittel sind ein klassisches Beispiel für gelebte Kreislaufwirtschaft. Im Gegensatz zu Einwegverpackungen werden sie mehrfach verwendet und durchlaufen zahlreiche Umläufe, bevor sie recycelt werden.

Gemäß aktueller Ökobilanzen und Sensitivitätsanalysen ist die Umlaufzahl das wichtigste Kriterium bei der Bewertung von Mehrwegsystemen. Die Richtlinie UZ 26 legt daher eine Mindestumlaufzahl von 12 Nutzungszyklen fest. Nur jene Mehrweggebinde, die mindestens diese Umlaufzahl erreichen, können ausgezeichnet werden. Ab dieser Schwelle werden Mehrwegsysteme positiv bilanziert und schneiden besser ab als herkömmliche Einwegalternativen.

Auch an die gesamte Wertschöpfungskette stellt die Richtlinie hohe Anforderungen. Bereits bei der Produktion müssen gesundheitsschädliche oder umweltgefährliche Stoffe weitgehend vermieden werden. Gleichzeitig liegt auch ein Fokus auf der langlebigen und recyclinggerechten Gestaltung der Produkte. Der Einsatz von Störstoffen wird begrenzt und der Anteil an Einwegkomponenten möglichst gering gehalten.

Das Ziel dieser Richtlinie ist es, die ökologische Qualität von Mehrweggebinden für Getränke und flüssige Lebensmittel zu fördern und damit einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und Verringerung der Abfallmengen zu leisten.

UZ 87 – Mehrweg-Verpackungssysteme für Transport und Versand

Auch im Bereich Transport und Logistik bietet die Wiederverwendung von Verpackungen großes Potenzial zur Ressourcenschonung. Die Richtlinie UZ 87 basiert auf der gleichnamigen DE-UZ 27 Richtlinie des deutschen Blauen Engels und zeichnet Mehrweg-Verpackungssysteme aus, die speziell für den wiederholten Einsatz im Versand entwickelt wurden.

Auch hier steht die Sicherstellung einer Mindestanzahl an Nutzungszyklen (unterschiedlich je Verpackungsart) im Zentrum und garantiert, dass die eingesetzten Verpackungen tatsächlich mehrfach verwendet werden. Dies reduziert den Bedarf an neuen Verpackungsmaterialien und senkt die Abfallmenge deutlich.

Darüber hinaus müssen diese Mehrwegsysteme hohe ökologische Anforderungen erfüllen. Dazu zählen unter anderem der Einsatz von Rezyklaten, Vorgaben zur Herkunft biogener Materialien sowie eine konsequente Ausrichtung auf Recyclingfähigkeit.

UZ 88 – Mehrwegsysteme für Take-away („to-go“)

Mit dem zunehmenden Außer-Haus-Konsum wächst auch die Menge an Einwegverpackungen für Speisen und Getränke. Die Richtlinie UZ 88 setzt genau hier an und ermöglicht eine Zertifizierung von Mehrwegverkaufsverpackungen – wie Mehrwegbecher, -schalen und -behälter – als nachhaltige Alternative zu Einwegprodukten.

Durch die Wiederverwendbarkeit leisten diese Mehrwegsysteme einen wichtigen Beitrag zur Abfallvermeidung und Ressourcenschonung. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, das achtlose Wegwerfen von Verpackungen in der Umwelt (‚Littering‘) zu reduzieren.

Die Anforderungen der Richtlinie umfassen sowohl die Herstellung als auch die Nutzung der Produkte. Dabei gelten strenge Kriterien zur Vermeidung von Umwelt- und Gesundheitsrisiken, insbesondere im Hinblick auf eingesetzte Materialien und Chemikalien. Auf eine robuste, langlebige und recyclingfähige Produktgestaltung wird hierbei besonderer Wert gelegt. Einweganteile sollen dabei auf ein Minimum reduziert werden.

Reuse als wichtiger Grundpfeiler der Kreislaufwirtschaft

Ob im Getränkebereich, in der Logistik oder im Take-away-Sektor – die Wiederverwendung von Produkten und Verpackungen ist ein Hebel zur Reduktion von Abfällen und zur Schonung natürlicher Ressourcen.

Mehrweg-Weinflasche als aktuelles Praxisbeispiel

Ein aktuelles Beispiel für die praktische Umsetzung von Reuse im Getränkebereich ist die neu eingeführte Mehrweg-Weinflasche in Österreich. Auch wenn sie derzeit noch nicht mit dem Österreichischen Umweltzeichen zertifiziert ist, zeigt das Projekt, welches Potenzial in standardisierten Mehrwegsystemen steckt. Die Flaschen werden – ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft – gesammelt, gereinigt und wiederbefüllt. Gerade für Gastronomie, Hotellerie und Veranstaltungen hat dieses System großes Potential, Abfallmengen und CO₂-Emissionen deutlich zu reduzieren. Mit breiter Beteiligung seitens der Betriebe kann sich die Mehrweg-Weinflasche rasch etablieren und zum neuen Standard in der Branche werden.

Die neue Mehrweg-Weinflasche
© Miriam Mehlman Fotografie