Alter Koffer mit Kamera
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Klimasünder Tourismus?

Mehr Menschen denn je sind weltweit unterwegs, Fernreisen boomen. Das hat Auswirkungen auf die Umwelt: Die durch den Tourismus verursachten CO2-Emissionen steigen.

Die Welttourismusorganisation zählte 2012 erstmals mehr als eine Milliarde Auslandsreisen, davon ein Großteil Flugreisen. Das hat Folgen: Schätzungen zufolge ist der Tourismus bereits für 12 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Doch langsam findet ein Umdenken statt: immer mehr Menschen wünschen sich einen ökologisch vertretbaren Urlaub. Laut einer Umfrage von TripAdvisor, der weltweit größten Reise-Website, haben 25 Prozent der europäischen Urlauber bei der Planung ihres letzten Urlaubs „grüne“ Aspekte mit einbezogen.

Zug in der Landschaft

© ÖBB / Posch

Bahn und Bus

Leider wird bei der Anreise der ökologische Aspekt oft übersehen: für ein Wochenende nach Paris oder London oder eine Woche in die Karibik zu fliegen, ist en vogue. Eine Studie des norwegischen Umweltforschers Borgar Aamaas zeigt, wie sich unser Reiseverhalten auswirkt: Die durchschnittlich zwei Flugreisen, die eine Person pro Jahr macht, sind genauso klimaschädlich wie sämtliche Autofahrten im gleichen Zeitraum. Denn Flugzeuge gehören mit ihrem enormen CO2-Ausstoß zu den größten Klimasündern, CO2 ist in der Atmosphäre 2,7-mal schädlicher als in Bodennähe. Im Gegensatz zu Diesel, Benzin oder Heizöl wird für Kerosin keine Mineralölsteuer eingehoben, weshalb Flugreisen vergleichsweise billig angeboten werden können. Bei kurzen Entfernungen bieten Bahn oder Bus jedoch gute Alternativen zum Fliegen, moderne Fernbusse fahren zahlreiche Städte und Urlaubsziele in Europa an. Die Anreise dauert hier zwar meist länger, aber in Nachtzügen etwa fällt diese Zeit nicht ins Gewicht. Bei Kurzstreckenflügen relativiert sich auch das Argument des Zeitsparens: Die Zugfahrt von Wien nach München dauert knappe vier Stunden, Tickets gibt es bei den ÖBB ab 29 Euro. Die reine Flugzeit von Wien nach München beträgt zwar nur 50 Minuten, dazu kommt aber die Zeit am Flughafen und der Flughafentransfer.

Gutes Gewissen kaufen

Wer nicht auf das Fliegen verzichten kann oder will und einen Beitrag zum Umweltschutz leisten möchte, kann die CO2-Emissionen mithilfe von Kompensationsprojekten ausgleichen. Inzwischen gibt es dafür zahlreiche Plattformen. Auf der Webseite wird die Flugroute eingegeben, woraufhin der Emissionsrechner den Umweltschaden und den daraus resultierenden Kompensationsbetrag ermittelt. Dieses Geld investieren die Anbieter in Projekte, die Emissionen verringern sollen. Wichtig ist, dass das Geld in Projekte investiert wird, die dem Gold Standard entsprechen. Diese Projekte können ihre Klimawirksamkeit nachweisen, fördern zudem die soziale Gerechtigkeit und verbessern das Leben der Menschen in Entwicklungsländern. Andere seriöse Anbieter von CO2-Kompensationen sind u.a. atmosfair, MyClimate, climateaustria oder arktik.

Umweltsünder Kreuzfahrt

Neben Flugzeugen gehören Kreuzfahrtschiffe zu den großen Klimasündern: Sie fahren meist mit Schweröl, einem Abfallprodukt der Ölindustrie. Anders als für den Straßenverkehr gibt es für die Seeschifffahrt kaum umweltspezifische Auflagen. Die „schwimmenden Städte“ tragen in steigendem Maß zu den globalen Schwefeldioxid-, Stickoxid- und Feinstaubemissionen bei. Dazu kommt, dass tausende Kreuzfahrttouristen die von den Schiffen angelaufenen Städte regelrecht überschwemmen, ohne die Wertschöpfung in den Regionen nennenswert zu steigern. Das wird für Einheimische und andere Touristen zunehmend zum Ärgernis, wie Gegenkampagnen in Venedig oder Dubrovnik zeigen.

Treibhausgas-Emissionen der Verkehrsmittel im Vergleich (pro Person und Kilometer)

  • Pkw (Diesel): 141 Gramm
  • Reisebus (Diesel): 43 Gramm
  • Linienbus (Diesel): 40 Gramm
  • Bahn (Österreich): 4 Gramm
  • Flugzeug (Inlandflug): 730 Gramm

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2016

Links:

www.vcoe.at
www.atmosfair.de/
de.myclimate.org/de/
www.arktik.de/
www.climateaustria.at/
www.goldstandard.org/