Grafenegg Kulturbetriebsgesellschaft m. b. H.
Grafenegg 103485 Grafenegg
Lower Austria,
Hochkarätige Klassikkonzerte in traumhaftem Ambiente: Grafenegg, zwischen Wien und der Wachau gelegen, hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem international renommierten Festivalstandort entwickelt und begeistert Menschen aus aller Welt durch die einmalige Atmosphäre jedes Jahr aufs Neue. Inmitten des bezaubernden Schlossparks wurde die beeindruckende Open Air-Bühne Wolkenturm errichtet, die zu den akustisch besten Freiluftbühnen der Welt gerechnet wird.
Neben der intensiven Sommerbespielung, die Mitte Juni mit der starbesetzten Sommernachtsgala beginnt und Mitte September mit dem Grafenegg Festival endet, ist Grafenegg ganzjährig Schauplatz unterschiedlichster Veranstaltungen, die jährlich mehr als 200.000 Menschen auf das romantische Schlossareal locken. Seit Jahrzehnten zählt der Advent zu einem der stimmungsvollsten Weihnachtsmärkte Österreichs; das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich garantiert mit dem Zyklus Jahreszeitenklänge erstklassige Orchesterkonzerte rund ums Jahr. Als Höhepunkte gelten die Festtagskonzerte zu Weihnachten, zu Silvester und zu Ostern.
Der 32 ha große Park mit seinen 650 Baum- und Strauchsorten sowie zahlreichen hier lebenden Tieren (Schafe, Rehe, Vögel, Bienen, Hasen, uvm.) lässt es erahnen: Grafenegg ist grün! Doch nicht nur der Landschaftsgarten, auch die Veranstaltungsstätten Wolkenturm, Schloss, Auditorium, Reitschule und Alte Scheune sind als Green Location mit dem Österreichischen Umweltzeichen zertifiziert!
Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und Sozialverträglichkeit sind uns ein Anliegen, weswegen wir uns selbst in diesen Bereichen stetig Weiterentwickeln und -bilden.
Grafenegg Mieten: Startseite — Events Grafenegg (events-grafenegg.com)
EF
Abschiedskonzert Reitschule
Am Sonntag, 22. September 2024, wird in Grafenegg die Reitschule in die Umbaupause verabschiedet: Rudolf Buchbinder spielt zu diesem außergewöhnlichen Anlass eine Matinee mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert und Ludwig van Beethoven.
Nach dem Bau des Wolkenturms im Jahr 2007 und des Auditoriums im Jahr 2008 wird nun die dritte wichtige Spielstätte, die historische Reitschule, einer notwendigen Sanierung unterzogen. Dabei wird das Dach auf seine ursprüngliche Höhe zurückgeführt und durch die gewonnene Raumhöhe kann der Kammermusiksaal in den ersten Stock gehoben werden. Die darunter liegende Fläche kann als erweitertes Foyer, Seminarräumlichkeit und für die Gastronomie verwendet werden.
Der neu geschaffene Kammermusiksaal im ersten Stock wird nach erfolgtem Umbau dem künstlerischen Leiter Rudolf Buchbinder gewidmet, der Grafenegg wie kein anderer geprägt hat. Sein erstes Konzert in der Reitschule hat Rudolf Buchbinder 1985 gespielt und nun wird er das letzte Mal vor dem Umbau solistisch ein selbst zusammengestelltes Programm zum Besten geben.
Im Anschluss an das Konzert gibt es einen Sektempfang, einen symbolischen Akt zum Baubeginn und erste 3D-Einblicke in den neuen Konzertsaal. Der Kartenerlös kommt zur Gänze dem Umbau der Reitschule zugute .
Moderation durch Kari Hohenlohe
Konzertdauer: ca. 50 Minuten
Eröffnung Rudolf Buchbinder Saal
Der Rudolf Buchbinder Saal wird feierlich eröffnet!
Zwischen 2024 und 2026 verwandelten die Architekten Maurer & Partner (Hollabrunn) die historische Reitschule in einen modernen Gebäudekomplex: Der ebenerdige Saal wurde durch Flügeltüren mit dem Park und dem Auditorium verbunden und dient nun als repräsentatives Foyer für Empfänge und Veranstaltungen.
Im ersten Stock entstand der neue Kammermusiksaal – technisch auf dem neuesten Stand und mit einer besonderen Nähe zum Schlosspark. Die luftige, kassettenartige Dachkonstruktion aus hellem Fichtenholz sorgt für eine optimale Akustik und ein moderner Kubus auf der Westseite beherbergt zusätzliche Künstler:innenzimmer und Technik. Damit ist der Rudolf Buchbinder Saal – neben Auditorium und Wolkenturm – eine neue, vollwertige Spielstätte in Grafenegg.
Am letzten Maiwochenende steht Grafenegg ganz im Zeichen des neuen Konzertsaals: Mit einer festlichen Sonntags-Matinee eröffnet Rudolf Buchbinder am Klavier gemeinsam mit Camilla Nylund und dem Steude Quartett den Saal.
29.05: Feierlich wird in dieser geschlossenen Veranstaltung der neue Rudolf Buchbinder Saal in der sanierten Reitschule in Grafenegg offiziell eröffnet. Präsentiert wird ein musikalisches Programm von höchster Qualität: Rudolf Buchbinder, Sopranistin Camilla Nylund sowie das Steude Quartett spielen Werke von Beethoven, Richard Strauss und Antonín Dvořák.
30.05: Im Rahmen des Festwochenendes zur Eröffnung des Rudolf Buchbinder Saals spielen Rudolf Buchbinder und das Steude Quartett zum Dank für die großzügige Unterstützung der DONAU Versicherung bei der Sanierung der Reitschule Grafeneggs exklusiv für geladene Partner, Freunde und Mitarbeiter:innen der DONAU Versicherung.
Ein historischer Moment für Grafenegg – feiern Sie ihn mit uns!
Mit der Eröffnung des Rudolf Buchbinder Saals schlägt Grafenegg ein neues Kapitel in seiner Geschichte auf. Der moderne Konzertsaal in der sanierten Reitschule verspricht Musikerlebnisse von außergewöhnlicher Intensität und Qualität – ein Ort, der Musiker:innen wie Publikum inspiriert und das internationale Musikleben nachhaltig bereichern wird.
31.05: In dieser Matinee am 31. Mai 2026 haben Musikliebhaber:innen erstmals die Gelegenheit, den Saal im Rahmen eines öffentlichen Konzerts zu erleben. Rudolf Buchbinder, Sopranistin Camilla Nylund und das Steude Quartett bringen Werke von Beethoven, Richard Strauss und Antonín Dvořák zum Klingen.
Moderiert von Barbara Rett, bietet diese Matinee nicht nur ein hochkarätiges Programm, sondern auch die seltene Chance, live dabei zu sein, wenn Musikgeschichte geschrieben wird.
Grafenegg Festival 2024
Herausragende Künstler:innen:
Das Grafenegg Festival bildet den Höhepunkt der Saison. Dafür wurde der Wolkenturm gebaut, das macht immer noch am meisten Eindruck: große Orchester, angeleitet von den führenden Dirigent:innen unserer Tage, und auf dem Programm nur das Beste, was das reiche Repertoire der Musikgeschichte bereithält.
Grafenegg Festival 2025
Das Grafenegg Festival bildet den Höhepunkt der Saison. Das macht immer noch am meisten Eindruck: große Orchester, angeleitet von den führenden Dirigent:innen unserer Tage, und auf dem Programm nur das Beste, was das reiche Repertoire der Musikgeschichte bereithält.
Jahreszeitenklänge 2024/25
2 EDITORIAL
Liebe Musikfreund:innen!
Die Jahreszeitenklänge-Saison 24/25 hält wieder die schönsten Or-
chesterwerke, Neues und Ungehörtes sowie feine Kammermusik
für Sie bereit. In insgesamt neun verschiedenen Konzertprogram-
men präsentiert das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich sei-
ne musikalische Exzellenz. Unseren treuen Besucher:innen wird
auffallen, dass die Saison 24/25 ganz im Zeichen jener steht, die das
Tonkünstler-Orchester und Grafenegg maßgeblich geprägt haben:
erleben Sie den aktuellen Chefdirigenten Yutaka Sado, den ehe-
maligen Chefdirigenten Fabio Luisi und auch den künftigen Chef-
dirigenten Fabien Gabel, der zum ersten Mal die Sommernachts-
gala dirigieren wird.
Schon zu Beginn wird es monumental, wenn Ludwig van
Beethovens 3. Symphonie «Eroica» im Auditorium erklingt. Sie
sprengte bei ihren ersten Aufführungen alle Maßstäbe und war län-
ger, größer und gewaltiger als alles, was das Publikum damals
kannte. Vervollständigt wird die Saisoneröffnung von Alexander
Arutiunians Konzert für Trompete und Orchester und einem Or-
chesterwerk Georg Friedrich Haas’.
Zu Weihnachten erwartet Sie ein feierliches, mitreißendes
Programm mit Werken von Johann Sebastian Bach, Arcangelo
Corelli und Georg Friedrich Händel. Der Barockspezialist Lau-
rence Cummings holt sich dafür Sopranistin Nardus Williams,
Preisträgerin der International Opera Awards, und die virtuose
Emma Black, Solo-Oboistin in führenden Originalklang-Orches-
tern, an seine Seite.
Eine Neuerung gibt es am Osterwochenende – statt der
gewohnten Konzerte am Karfreitag und am Ostersonntag wird
nun dem Karsamstag musikalisch Leben mit Werken von Joseph
Haydn eingehaucht. Dirigent Alessandro de Marchi widmet sich
unter anderem der äußerst ergreifenden Orchesterfassung von
«Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze». Die Ge-
sangspartie des Konzerts übernimmt Emily D’Angelo, sie erhielt
2019 als erste Sängerin überhaupt den prestigeträchtigen Leonard
Bernstein Award des Schleswig-Holstein Musik Festivals.
Alljährlich macht die ECMA (European Chamber Music
Academy) Halt in Grafenegg, dieses Mal nicht in der im Umbau
befindlichen Reitschule, sondern in der inspirierenden Umgebung
von Schloss Grafenegg. Die historische Bibliothek wird sowohl für
das «Best of»-Konzert am Abend als auch für die Matinee mit dem
Chaos String Quartet als intimer Konzertsaal dienen – dieses Er-
lebnis sollten Sie sich nicht entgehen lassen!
Wir freuen uns, Sie bei uns begrüßen zu dürfen.
Ihr Team Grafenegg
Jahreszeitenklänge 2025
Jahreszeitenklänge Frühjahr 2026
Die vom Tonkünstler-Orchester Niederösterreich und illustren Gästen aus aller Welt gestalteten «Jahreszeitenklänge» mit einer Mischung aus Altbekanntem, selten Gespieltem, Neuem und Vergessenem, kurz: prächtiger Musik vom Barock bis zur jüngsten Vergangenheit.
Vom feierlichen «Te Deum» für Soli, Chor bis zum Orchester von Anton Bruckner am 16. Mai 2026 reichen.
Am 17. Jänner wird das Tonkünstler-Orchester mit der Dirigentin Tabita Berglund mit Musik von Krzysztof Penderecki, Arvo Pärt und Pjotr Iljitsch Tschaikowski einen kontemplativen Blick auf die Schrecken des Krieges und des persönlichen Abschieds. Am 28. Februar sind die Tage wieder spürbar länger, und der Winter weicht langsam dem Frühling, wenn im Auditorium Joseph Haydn und Johannes Brahms im Mittelpunkt stehen. Zu Ostern leitet Reinhard Goebel die Erstaufführung einer von ihm wiederentdeckten «Pastorale» von Joseph Haydn und Ludwig van Beethovens große «Eroica». Zum Abschluss des Samstags-Abos kehrt Yutaka Sado für die bereits erwähnte große Bruckner-Feier mit Chorprunk und Solist:innen zurück ans Pult der Tonkünstler.
Nicht genug damit: Ins Reich der Kammermusik locken zwei Konzerte der European Chamber Music Academy, die am 6. und 7. Juni nach einer Woche intensiver Studienphase in einem Bestof-Konzert und einer Matinee des Saxophonquartetts Kebyart die Kunst des idealen Zusammenspiels präsentiert.
Jahreszeitenklänge Herbst 2025
Die Sommerklänge bieten vielfältige Programme, die von großen symphonischen Werken über Operette bis zu jazzigen Klängen reichen.
Darüber hinaus geben die jungen Musiker:innen des Grafenegg Academy Orchestra das Abschlusskonzert ihrer zehntägigen Proben- und Arbeitsphase.
Sommerklänge 2025
Die Sommerklänge bieten vielfältige Programme, die von großen symphonischen Werken über Operette bis zu jazzigen Klängen reichen.
Darüber hinaus geben die jungen Musiker:innen des Grafenegg Academy Orchestra das Abschlusskonzert ihrer zehntägigen Proben- und Arbeitsphase.
Sommernachtsgala
Wenn der farbenreiche Klang des Tonkünstler-Orchesters – diesmal unter der Leitung der polnischen Dirigentin Marta Gardolińska – die Open-Air-Saison in Grafenegg eröffnet und gefeierte Solist:innen internationalen Glanz nach Grafenegg bringen, steigt die Vorfreude auf die bevorstehenden Konzertmonate.
Sommernachtsgala 2025
Liebesgeschichten
Von Wien nach Wetzlar
Von Maria Theresia zu Goethe
Die Liebe ist eine Himmelsmacht: In Grafenegg feiern wir sie unter Sternen. Das Programm der traditionellen Sommernachtsgala 2025 steht ganz im Zeichen des schönsten Gefühls der Welt. Fabien Gabel gibt damit seinen Einstand als Chefdirigent des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich – der Beginn einer ganz besonderen Liebesbeziehung. Ein illustres Trio feiert mit: die junge Mezzosopranistin und Met-Liebling Siphokazi Molteno, Weltklassetenor Michael Spyres und Grafeneggs künstlerischer Leiter, Klavierlegende Rudolf Buchbinder.
Einer der schönsten Plätze Wiens liegt direkt an der Ringstraße, eingefasst vom Kunsthistorischen und vom Naturhistorischen Museum. Dort thront, ehrfurchtgebietend weit oben auf einem monumentalen Sockel, Kaiserin Maria Theresia. Dabei gestaltete sich der Anfang ihrer Regentschaft als Erbin der habsburgischen Länder mitnichten ruhmreich: Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters, Karl VI., wussten die anderen Herrscher Mitteleuropas die Gelegenheit zu nutzen, die Habsburgermonarchie empfindlich zu schwächen. Und so musste sich die – im Übrigen ganz besonders musikliebende – Monarchin jahrelang im sogenannten österreichischen Erbfolgekrieg um das ihr «von Gottes Gnaden» zustehende Reich streiten. Nun, es blieb noch genug Reich übrig, und sie arbeitete ihr Leben lang fleißig daran, es mittels verschiedener Strategien zu festigen. Eine dieser voll ausgeschöpften Möglichkeiten bestand darin, möglichst viele Kinder in die Welt zu setzen – 16 sollten es werden –, entsprechend zu verheiraten und damit zahlreiche familiäre Bande zu knüpfen, die den eigenen Einfluss mehrten. Sie konnte sich dabei auf die tatkräftige Mitarbeit ihres Mannes verlassen, Franz Stephan von Lothringen, später Kaiser Franz I., die Liebe und Stütze ihres Lebens.
Im ersten Jahr des Erbfolgekriegs, 1741, spielt die Handlung der 1885 im Theater an der Wien uraufgeführten Operette «Der Zigeunerbaron» von Johann Strauss. Dem Walzerkönig und damals ohne Zweifel populärsten Komponisten Wiens, dessen 200. Geburtstag die Musikwelt 2025 feiert, gelang damit ein Riesenerfolg, der nicht zuletzt auf der geglückten Verbindung ungarischer Elemente mit Wiener Musik beruht. Im dritten Akt der Operette kehren einige der männlichen Protagonisten aus einer gewonnenen Schlacht gegen ein spanisches Heer zurück nach Wien. Dieser Moment wird musikalisch im sogenannten «Einzugsmarsch» eingefasst, dessen in der Operette vom Chor gesungenen Text die reine Konzertversion ausspart. Was die Musik dabei auch ohne Worte zwischen den Zeilen verrät: Man ist bei aller Vaterlandsliebe und durchaus augenzwinkernden Angeberei über die eigenen Leistungen während der Kämpfe vor allem froh, am Leben geblieben zu sein.
Spanische Liebesgeschichten auf Italienisch
Spanien ist der Schauplatz der folgenden Geschichte, wobei auch diese herrliche Komödie im 18. Jahrhundert spielt, und zwar in Sevilla: Die 1816 uraufgeführte Opera buffa «Il barbiere di Siviglia» von Gioachino Rossini ist eigentlich ein sogenanntes Prequel, eine Vorgeschichte zu einem nicht minder berühmten Dramma giocoso, zu Wolfgang Amadeus Mozarts «Le nozze di Figaro». Zwei handelnde Personen, deren berühmte Arien ins Programm der Sommernachtsgala in Grafenegg aufgenommen wurden, spielen sowohl bei Mozart als auch bei Rossini tragende Rollen. Da ist zuerst einmal, Ladies first, obwohl in der Oper die Reihenfolg eine andere ist, Rosina, die spätere Contessa Almaviva – eine ideale Rolle für den jungen Met-Star Siphokazi Molteno. Rosina ist zielstrebig, gewieft, temperamentvoll – und sie setzt alles daran, ihren erst seit kurzem, aber dafür umso heftiger begehrten Lindoro zu bekommen, von dem sie nicht weiß, dass er der Graf Almaviva ist. Gefallen lässt sie sich freilich nichts, denn dass sie die liebenswürdigste junge Frau sein kann, aber zur Viper wird, wenn man sie reizt, auch davon singt sie in «Una voce poco fa»:
«lo sono docile,
son rispettosa,
sono ubbediente,
dolce, amorosa;
mi lascio reggere,
mi fo guidar.
Ma se mi toccano
dov’è il mio debole,
sarò una vipera
e cento trappole
prima di cedere
farò giocar.»
«Ich bin fügsam,
ich bin respektvoll,
ich bin gehorsam,
süß, liebevoll;
ich lasse mich halten,
ich lasse mich führen.
Aber wenn sie mich berühren,
wo meine Schwäche ist,
werde ich eine Viper sein,
und hundert Fallen
werde ich stellen,
bevor ich nachgebe.»
Der Figaro bei Mozart, dort fix als Diener in den Diensten des Grafen, ist auch der Figaro bei Rossini, hier aber zusätzlich noch selbständig als Barbier tätig: In seiner großen Auftrittsarie «Largo al factotum» verrät er, mit vielen Worten und gespickt mit Witz und Verve, dass Frisuren und Bärte ihn zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit in der Stadt machen. Doch er kann noch viel mehr, wirkt er dank seiner Profession doch gleichzeitig als allwissender und gewiefter Advokat seiner Herren, deren Wünsche er trickreich und stets herumwuselnd zu erfüllen versteht. Bei Mozart ist der Figaro ein Bass, bei Rossini dann ein durchaus höhenfester Bariton. Und wo wir schon bei Stimmfächern sind: Der Tenorstar der Sommernachtsgala kann auch Bariton, denn Michael Spyres singt die Auftrittsarie stimmgewaltig und in jeder Hinsicht umwerfend als «Baritenor».
Liebeserklärung ohne Worte
1841, als Gioachino Rossini sich längst den kulinarischen Genüssen des Lebens verschrieben hatte und nicht oder kaum mehr komponierte, arbeitete Robert Schumann an einer «Phantasie» für Klavier und Orchester, die als einzigen Inhalt seine geliebte Frau Clara haben sollte. Clara wurde privat auch gerne «Chiara» genannt, die italienische Version ihres Namens. Aus den Notennamen, die aus Chiara abgeleitet werden können, gestaltete Schumann den Themenkopf der «Phantasie»: c-h-a-a, und in weitere Folge wurden auch alle anderen Motive daraus entwickelt. Als Clara das zum ersten Mal selbst spielte, lächelte sie, und auch einen zweiten Bezug verstand sie gleich, der aus Florestans Arie «In des Lebens Frühlingstagen» aus Beethovens «Fidelio» stammte, der Lieblingsoper des Paares.
Als der glückliche Robert Schumann nun sein neuestes Werk zu veröffentlichen gedachte, zögerten die Verleger: Sie wünschten kein Experiment in einem Satz, sie präferierten ein dreisätziges Konzert nach dem bewährten Formschema schnell – langsam – schnell und lehnten es rundheraus ab, die «Phantasie» herauszugeben: Schumann schmollte und ließ sie liegen. Erst 1845 ergänzte er ein Intermezzo und ein Finale, damit es doch noch als komplettes Klavierkonzert veröffentlicht würde. Sowohl die Erstfassung als auch das ganze Konzert hob, wie sollte es anders sein, seine Frau Clara als Pianistin aus der Taufe: ein Konzert als ganz persönliche Liebeserklärung. Und wer sollte heute besser eine Liebeserklärung an die eigene Frau spielen können als Rudolf Buchbinder? Der erste Satz dieses Konzerts, die einstige «Phantasie», ist schon für sich genommen überreich an «phantastischer» Eigenständigkeit.
Robert Schumann schöpfte sein mit 46 Jahren begrenztes, dabei ungemein reiches Komponistenleben voll aus. Seiner geliebten Clara blieb dieser Werdegang letztlich verwehrt: Als Frau hatte sie im frühen 19. Jahrhundert trotz ihrer außerordentlichen Begabung andere Ziele zu verwirklichen, als das, Komponistin zu sein. Die sechsfache Mutter und kongeniale Gattin ihres Mannes spielte aber ein Leben lang Klavier – ein Umstand, der in finanziell weniger rosigen Tagen der Familie Schumann durchaus auch den nötigen Lebensunterhalt sicherte. Eine andere bedeutende Musikerin des 19. Jahrhunderts erkämpfte sich ihren Weg, als Komponistin anerkannt zu werden, auch wenn sie ihre ersten Werke unter einem Pseudonym veröffentlichen musste: Falls Sie irgendwann einmal auf Musik von Hermann Zenta stoßen, dann verbirgt sich dahinter Augusta Holmès.
Liebe auf Französisch
Als Tochter eines irischen Vaters und einer britischen Mutter kam Augusta Holmès 1847 in Versailles zur Welt und wurde 1871 Bürgerin Frankreichs, ab diesem Zeitpunkt trug sie auch den Accent auf ihrem Nachnamen. Vor allem ihre Mutter opponierte deutlich gegen eine professionelle Ausbildung ihrer Tochter, erst nach deren Tod 1858 durfte die dann bereits elfjährige Augusta auch offiziell Musikstunden nehmen. So, wie sie um das Recht zu komponieren kämpfte, blieb sie auch sonst in ihrem Leben unkonventionell: Sie hatte fünf Kinder mit ihrem langjährigen Geliebten, dem Schriftsteller Catulle Mendèz, mit dem sie allerdings nie verheiratet war; sie schrieb nicht die bei Frauen zur Not noch akzeptierten Kleinformate wie Salonstücke oder Lieder, sondern große dramatische Symphonien, Chor-Orchesterwerke und sogar zwei Opern. Als alleinige Erbin des Vermögens ihres Vaters veröffentlichte sie schließlich unter ihrem eigenen Namen und war die offizielle Eigentümerin ihrer Werke: Ihr Pseudonym Hermann Zenta hatte sie da längst abgelegt. Als Schülerin von César Franck pflegte sie auch eine enge Freundschaft mit Franz Liszt, der ihre Arbeit schätzte und sie ermutigte zu komponieren. Sie stand in Briefkontakt mit der kulturellen Elite Europas und führte schon in jungen Jahren einen kulturellen Salon.
Ihre groß besetzte Musik war oft inspiriert von klassischen Mythen, und wie Richard Wagner schrieb sie sich die Texte und Libretti für ihre Chor-, Vokal- und Opernwerke selbst. Zahlreiche ihrer Kompositionen entstanden zur Unterstützung patriotischer oder humanistischer Anliegen, darunter auch «Ludus pro patria» (1888), zu Deutsch etwa «Patriotische Spiele», ein großformatiges Werk für Rezitation, Chor und Orchester.
Nach dem üppigen Eröffnungschor steht an zweiter Stelle des «Ludus pro patria» eine Rezitation samt anschließendem, darauf bezogenen Interlude, also einem Orchesterzwischenspiel: «La nuit et l’amour». Augusta Holmès kleidete «Die Nacht und die Liebe» in zart-wogende Töne, ganz im Sinne der Dichtung. An einer Stelle beschwört sie die Natur, die Liebenden nicht zu stören:
« Brises qui balancez les blés mûrs de la plaine,
Oiseaux extasiés, retenez votre haleine,
Car les amoureux parlent bas. »
«Lüfte, die das reife Korn in der Ebene wiegen,
verzückte Vögel, haltet den Atem an,
denn die Liebenden sprechen leise.»
Die dreifach angerufene Liebe bildet den Abschluss und Höhepunkt der Rezitation vor dem Interlude:
« Amour ! Verbe divin ! Générateur des mondes !
Amour ! Instigateur des extases fécondes !
Amour ! ô vainqueur des vainqueurs
Qui fais rougir la vierge au toucher de ton aile,
Porte-sceptre nimbé de rose et d’asphodèle,
Unis les lèvres et les cœurs ! »
«Liebe! Göttliches Wort! Schöpferin der Welten!
Liebe! Anstifterin fruchtbarer Ekstasen!
Liebe! O Siegerin der Sieger,
die du die Jungfrau bei der Berührung deiner Flügel erröten lässt,
Zepter-Trägerin, umgeben von Rosen und Asphodelen,
vereine die Lippen und die Herzen!»
Liebesgeschichten aus mythischer Zeit
Im April 1851, als die vierjährige Augusta Holmès ihr Talent erst langsam zu entdecken begann, brachte ihr etwa 30 Jahre älterer Landsmann Charles Gounod in Paris seine erste Oper heraus: Darin steht eine andere berühmte Frau der Vergangenheit im Mittelpunkt, die Dichterin Sappho aus dem Griechenland des 6. Jahrhunderts vor Christus. Die Premiere von «Sapho» geriet zu einem eher bescheidenen Erfolg, die Oper verschwand recht rasch wieder in der Versenkung, was am Libretto und auch am Zeitgeschmack gelegen haben mag. Was freilich die Zeit überdauern konnte ist eine effektvolle, dramatische Szene der Hauptfigur: Mit ihrer Arie «Ô ma lyre immortelle» beschließt die verzweifelte Sappho, die ihren geliebten Phaon nicht haben kann und von ihm obendrein verflucht wird, ihr Leben:
« Je vais dormir toujours dans la mer. »
«Ich werde für immer im Meer schlafen.»
Bevor sie ihren tödlichen Sprung ins Mittelmeer vollführt, vergibt sie Phaon und segnet ihn. Eine unglückliche Liebesgeschichte also, der Stoff, aus dem die Opern – und oft auch das Leben – gesponnen sind.
Eine andere Liebesgeschichte, deren Weg von Leichen gepflastert ist, vertonte Giacomo Puccini zum Ende seines Lebens: «Turandot». Die Tochter des Kaisers von China hält sich darin auf besonders drastische Weise Verehrer vom Leib: Sie gibt ihnen drei Rätsel auf. Wer alle lösen kann, bekommt sie zur Frau. Wer nicht, bezahlt es mit seinem Leben. Und so sterben viele, bis Calaf auf den Plan tritt und zum großen Erstaunen aller Beteiligten die Fragen korrekt beantwortet. Das schockiert nun vor allem Turandot selbst, die sich heftig wehrt und die Regeln in ihrem Sinne gebeugt sehen will, aber auf Geheiß ihres Vaters an ihre eigenen Vorgaben gebunden bleibt. Calaf bietet ihr jedoch einen Ausweg: Wenn sie bis Sonnenaufgang seinen ihr unbekannten Namen herausfindet, bietet er ihr statt seiner Hand seinen Freitod an. Damit endet der zweite Akt der Oper. Im ersten Bild des dritten Aktes darf nun «keiner schlafen» – «nessun dorma» – im Reich, damit der Name enträtselt werde. Das Motiv nimmt nun Calaf auf und räsoniert in seiner Arie «Nessun dorma» über die Situation und kommt zu dem Schluss: Im Morgenrot wird er siegen, «All’alba vincerò!», womit er Recht behalten wird. Am Ende schließt ihn Turandot in ihre Arme. Dass zuvor die treu ergebene, ihn selbstlos liebende Liù sich tötet, um Calafs Namen auch unter Folter nicht zu verraten, steht auf einem anderen Blatt.
Eifersucht auf Sizilianisch
Während Calaf und Turandot, «Amor» sei Dank, in eine märchenhafte Zukunft gehen, ganz nach dem Motto: «Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute», mündet Pietro Mascagnis 1890 uraufgeführter Einakter «Cavalleria rusticana» ganz im Sinne des Verismo in der Katastrophe. Geschichten aus dem wahren, unverstellten Leben enden nun einmal nicht im Märchenschloss, sondern mancherorts überaus drastisch, so auch diese: In einem nicht näher bezeichneten sizilianischen Dorf gehen die Wogen hoch, weil Santuzza ihrem Geliebten Turiddu nicht verzeiht, dass er sie verlassen und nun ein Verhältnis mit der Frau des nichts ahnenden Fuhrmanns Alfio hat. Hätte es Santuzza darauf beruhen lassen, wäre die ohnehin kurze Oper noch früher aus. Doch in ihrer Gefühlsaufwallung aus unerwiderter Liebe, Verletztheit und Eifersucht öffnet sie dem gehörnten Alfio die Augen über seine untreue Frau. Und genau in diesem dramatischen Moment kehrt die Ruhe vor dem Sturm ein: Das Orchester stimmt das Intermezzo sinfonico an, eine Instrumentalinsel, die als Kontrast zum dramatischen Schluss der Oper fünf Minuten zum schwelgerischen Durchatmen erlaubt, bevor Alfio dem Ehrenkodex seiner Gesellschaft Genüge tut und Turiddu zum Duell fordert …
Liebeserklärungen auf Spanisch
Liebesgeschichten enden natürlich nicht immer tragisch. Die folgende – der Schauplatz ist erneut Spanien – findet eine viel freundlichere Auflösung, stammt sie doch aus dem nationalen Spezialgenre der heiteren Zarzuela. Und wenn es um Zarzuela geht, dann kommt man um einen Mann nicht herum: Ruperto Chapí. Er schlug zunächst eine Laufbahn als Militärkapellmeister ein, nahm sich dann aber Zeit, seine Ausbildung in Paris und Rom zu vervollkommnen, und wurde, in die Heimat zurückgekehrt, zu einem der erfolgreichsten Zarzuelakomponisten seiner Zeit.
Chapís «Las hijas del Zebedeo», zu Deutsch «Die Töchter des Zebedeo», wurde 1889 in Madrid uraufgeführt. «Zebedeo» ist allerdings nicht der Vater, sondern der Name eines Wirtshauses. «Carceleras» zählt zu den berühmtesten Einzelnummern des Genres. Vereinfacht gesagt bezeichnen «Carceleras» jene Flamenco-Kompositionen, deren Texte vor allem vom Gefängnis handeln, doch machten sich die musikalischen Charakteristika später von dieser inhaltlichen Koppelung frei. Hier beschwört die Näherin Luisa auf mitreißende Weise ihre Liebe zum Wirtssohn Arturo. Diese Liebesgeschichte endet, wie bereits erwähnt, auch einmal gut: Arturo und Luisa sind am Ende ein Paar, und wenn er ähnlich fühlt, wie sie in «Carceleras» ihr eigenes Gefühlsleben beschreibt, liegt eine rosige Zukunft vor den jungen Leuten:
«Yo me muero de gozo
cuando me mira,
y me vuelvo jalea
cuando suspira.»
«Ich sterbe vor Freude,
wenn er mich ansieht;
ich drehe durch,
wenn er seufzt.»
Ein letztes Mal Spanien: Seine Liebe zur sonnendurchfluteten Pyrenäenhalbinsel setzte der mexikanische Komponist Agustín Lara in wahrhaft magische Töne. Die Verehrung für Madrid, Valencia, Toledo, Sevilla, Murcia und die Region Navarra fasste er in einer «Suite española» zusammen, gemeinsam mit noch einer Stadt, die er mit einer Liebeserklärung besang, die einen umgehend zu einer Reise dorthin bewegen muss und die zum Welthit wurde: Granada. Alle großen Tenöre von Joseph Schmidt über Fritz Wunderlich bis zu José Carreras, Plácido Domingo und Jonas Kaufmann schmetterten seit der Entstehung des Liedes 1932 «Granada», im Plattenstudio ebenso wie in unzähligen Konzerten:
«Granada, tierra soñada por mi…»
«Granada, Land meiner Träume … »
Liebesende in Wetzlar
Aus dem sonnigen Andalusien führt die finale Liebesgeschichte der Sommernachtsgala 2025 in die hessische Kreisstadt Wetzlar in Deutschland, in eine Zeit, als dort ein gewisser Johann Wolfgang von Goethe als Praktikant widerstrebend sich der Jurisprudenz widmete. Wie es kommen musste, verliebte er sich unglücklich in Charlotte Buff, der er später ein weltliterarisches Denkmal setzen sollte. Als er nämlich zwei Jahre später vom Freitod des liebeskranken Wetzlaer Juristen Karl Wilhelm Jerusalem erfuhr, der ihm auch persönlich bekannt war, inspirierte ihn Jerusalems und seine eigene Geschichte zu einem Briefroman, der als «Die Leiden des jungen Werthers» Literaturgeschichte schrieb. Die berühmteste musikdramatische Auseinandersetzung mit dem Stoff fand dann zwar in deutscher Übersetzung auf die Bühne, denn die Uraufführung fand 1892 an der Wiener Hofoper statt, wird aber heute in der Regel in der «Sprache der Liebe», auf Französisch, gegeben: Jules Massenets «Werther» rührt bis heute die ganze Opernwelt.
« Pourquoi me réveiller
O souffle du printemps ?
Sur mon front je sense tes caresses
Et pourtant bien proche est le temps
Des orages et des tristesses ! »
«Warum weckst du mich
O Frühlingswind?
Auf meiner Stirn spüre ich deine Liebkosungen
Und doch ist die Zeit
Der Stürme und der Traurigkeit nahe!»
Bevor Goethes junger Werther in den 1770er Jahren in Wetzlar seinem Leiden selbst ein Ende gesetzt hatte, starb 1765 in Innsbruck Franz Stephan von Lothringen, seit 1745 als Kaiser Franz I. Mitregent Maria Theresias, sehr plötzlich an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, zum großen Schmerz seiner Frau. Das Kaiserpaar hatte sich bereits längere Zeit vor der Hochzeit gekannt und gemocht, was ungewöhnlich war in Kreisen und Zeiten, wo eine Ehe maßgeblich aus dynastischen Erwägungen, nicht aber aus Sympathie oder gar Liebe geschlossen wurde. Über die Jahre der Ehe und der Regierungsgeschäfte erwuchs eine Vertrautheit zwischen Franz I. und Maria Theresia, deren Verlust sie nach dem plötzlichen Tod ihres Gatten wie gelähmt zurückließ. «Ich kann keine Freude mehr empfinden, selbst die Sonne scheint mir finster», bekannte sie. Schwarz gestaltete sich ihr Witwendaseins, bis zu ihrem Lebensende 1780 trug sie keine andere Farbe mehr, nicht, weil sie das musste, sondern: aus gebrochenem Herzen, denn die Liebe hört niemals auf. In der Musik fand und findet die Liebe in all ihren Ausprägungen bis heute ihren schönsten Ausdruck.