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Ein Umweltzeichen für Destinationen?

Das Aktionsfeld „Österreich als „grüne“ Destination positionieren“ aus dem „Masterplan für Tourismus“ stellt das Team des Österreichischen Umweltzeichens vor die Frage, ob und in welcher Form eine Umwelt- oder Nachhaltigkeits-Zertifizierung für Tourismusdestinationen gesetzt werden könnte.

„Das Bekenntnis Österreichs zu umfassender Nachhaltigkeit muss nach innen glaubhaft gelebt und nach außen klar sichtbar werden. Besonders nachhaltige Betriebe und Regionen sollen als Vorbilder fungieren und durch Auszeichnungen und freiwillige Zertifizierungssysteme, wie zum Beispiel Qualitäts- und Umweltsiegel, identifiziert werden.“ (Masterplan Tourismus, Wien 2019)

Das Aktionsfeld „Österreich als „grüne“ Destination positionieren“ aus dem Ende März vorgestellten „Masterplan für Tourismus“ stellt das Team des Österreichischen Umweltzeichens vor die Frage, ob und in welcher Form hierzulande eine Umwelt- oder Nachhaltigkeits-Zertifizierung für Tourismusdestinationen als Ergänzung zu den bestehenden Umweltzeichen für Betriebe und Reiseangebote gesetzt werden könnte.

Beispiele aus unseren Nachbarländern zeigen die praktische Umsetzung von Nachhaltigkeitsbewertungen touristischer Destinationen.

Beispiel „Nachhaltiges Reiseziel“ von TourCert

2014 wurde das vorrangig für Reiseveranstalter aktive Zertifikat „TourCert“ auf Destinationen ausgeweitet. Im Rahmen eines Pilotprojekts in Baden-Württemberg wurde die Zertifizierung „Nachhaltiges Reiseziel“ als erste derartige Auszeichnung im deutschsprachigen Raum etabliert.

Die Destinationszertifizierung von TourCert verfolgt einen managementbasierenden Ansatz. Der Zertifizierungsprozess wird dabei von der Destinationsmanagement-Organisation (DMO, z.B. Kurverwaltung, Tourismusmarketing-Organisation oder regionaler Tourismusverband) federführend durchgeführt und vom TourCert-Team in Workshops begleitet.

bewaldetes Bergtal mit kleinem Dorf
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Kontinuierliche Verbesserung ist das „Herzstück“ des TourCert-Systems. „Wichtige Parameter sind dabei die Qualität der Produkte & Dienstleistungen, Kundenorientierung, schonender Umgang mit Ressourcen, Barrierefreiheit und Angebote im Bereich der nachhaltigen Mobilität. Eine nachhaltige Destination ist ein Gemeinschaftswerk, das vom partnerschaftlichen Zusammenwirken aller beteiligten Institutionen und Betriebe lebt.“ (www.tourCert.org). Die Kriterien und deren Indikatoren decken mit den Bereichen Management (Strategie und Planung sowie Entwicklung nachhaltiger touristischer Angebote), Ökonomie (ökonomische Sicherung und lokaler Wohlstand), Umwelt (Schutz von Natur und Landschaft und Ressourcenmanagement) sowie Soziales (Kultur und Identität, Gemeinwohl und Lebensqualität) alle Bereiche der Nachhaltigkeit ab. Für die Umsetzung werden entsprechende (Online-)Tools zur Verfügung gestellt.

Das System funktioniert in Tourismusdestinationen unterschiedlicher Größe. Das zeigen die in Baden-Württemberg zertifizierten Destinationen wie z.B. die Kurorte Bad Herrenalb, Bad Mergentheim und Bad Dürrheim, die Tourismusgemeinschaften Hochschwarzwald und Nördlicher Schwarzwald, die Gemeinde Baiersbronn, die Stadt Stuttgart, der Europa-Park in Rust sowie die Insel Mainau.

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Beispiel „Green Destinations“ in Slowenien

Sehr interessant ist auch der Weg, den die Slowenische Tourismuszentrale mit der Dachmarke „Slovenia Green“ eingeschlagen hat: für das „Green Scheme of Slovenian tourism“ (GSST) werden auf betrieblicher Ebene qualitativ hochwertige Zertifizierungen wie das EU Ecolabel für Beherbergungsbetriebe oder Travelife anerkannt, auf Destinationsebene wurde eine Kooperation mit der Initiative „Green Destinations“ eingegangen. Die Kriterien des Green Destinations Standard müssen erfüllt werden, um das Label in Bronze, Silber oder Gold zu erhalten. Dieser Standard definiert Anforderungen in sechs Themenbereichen (Destinationsmanagement, Natur & Landschaft, Umwelt & Klima, Kultur & Tradition, Soziales Wohlergehen und Unternehmen & Gastfreundschaft).

Fast 50 slowenische Regionen unterschiedlicher Größe haben sich bereits einer Bewertung in allen drei Kategorien unterzogen, so wurden etwa die Slowenische Hauptstadt Ljublijana und die „Alpine Perle“ Bled in Gold ausgezeichnet, die Grenzstadt zu Italien Nova Gorica und der bekannte Wintersportort Kranjska-Gora in Silber oder Kočevsko, das Land der geheimen Wälder in Bronze.

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Internationaler Rahmen - GSTC - Destination Criteria

Den globalen Rahmen für Zertifizierungen nachhaltiger Tourismusdestinationen geben die „Destination Criteria“ des Global sustainable tourism council (GSTC) vor. Diese wurden als Basiskriterien für nachhaltigen Tourismus zur Standardisierung und Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Zertifizierungssysteme entwickelt. Die Umsetzung der GSTC-Standards ist somit Voraussetzung für eine internationale Anerkennung einer touristischen Nachhaltigkeitszertifizierung. TourCert strebt dies für seine Destinationskriterien noch an, der Standard von „Green Destinations“ wurde bereits als eines von elf Zertifizierungssystemen als GSTC-äquivalent anerkannt.

In Österreich würde mit der Nachhaltigkeitszertifizierung von Destinationen ein wesentliches noch fehlendes Glied in der Zertifizierungskette touristischer Angebote geschlossen. Allerdings gilt es zunächst diesen komplexen Prozess für Destinationen verständlich umsetzbar und den Nutzen einer solchen Auszeichnung klar erkennbar zu machen. Die Adaption eines bereits existierenden und praxiserprobten Systems wäre dabei eine sinnvolle und ressourceneffiziente Option um das im Plan T formulierte Ziel, „die Nachhaltigkeit als Alleinstellungsmerkmal für den österreichischen Tourismus zu etablieren“ auch nach außen hin glaubhaft umsetzen zu können. Herausfordernde Diskussionen dazu sind garantiert.

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