Tourismusnetzwerkveranstaltung
© NFI / Österreichisches Umweltzeichen

Das grüne Tourismusnetzwerk denkt weiter!

Gemeinsam entwickelten die ca. 100 Teilnehmer der Netzwerkveranstaltung für nachhaltigen Tourismus am 2.Juni ein spannendes und vielfärbiges Bild des nachhaltigen Tourismus in Österreich und Europa. 

ÖKOlogische Wege und Trends im Tourismus Information. Dialog. Netzwerken. Europaweit.

Mehr über die vielen inhaltlichen Anknüpfungspunkte und personellen Vernetzungen zur Weiterentwicklung des eigenen nachhaltigen Angebots lesen Sie hier.

Nachlese

Tourismusnetzwerkveranstaltung Netzwerkbild

© NFI / Österreichisches Umweltzeichen

Seit den Anfängen des nachhaltigen Tourismus in den 1990er-Jahren hat sich viel getan. Die Ansprüche der Gäste sind gestiegen, aber auch die Angebote sind professioneller geworden. Nachhaltigkeit im Tourismus ist am Weg zum Mainstream. Was sind nun die Chancen und Herausforderungen für die Zukunft? Und wie können wir diese gemeinsam meistern?

INSPIRATIONSVORMITTAG

Präsentation der Naturfreunde Internationale (NFI) Ökologische Wege im Tourismus – die wichtigsten AkteurInnen

ExpertInnen Panels

Thema GastgeberInnen

Am Podium: Roman Mayerhofer/Hotel Der Wilhelmshof (www.derwilhelmshof.com/)
Friedrich Kaindlstorfer/Kneipp Kurhäuser der Marienschwestern vom Karmel (www.tem-zentrum.at/)
Regina Hrbek/Leiterin Umweltabteilung der Naturfreunde Österreich (www.naturfreunde.at/)

Alle drei Podiumsgäste bewerten den Zertifizierungsprozess sehr positiv. Der Prozess bringt Dinge zu Tage, die man in der täglichen Praxis oft nicht sieht, man lernt seinen Betrieb besser kennen. Durch die Verschriftlichung (Aufzeichnung von Daten u.ä.m.) werden Betriebsabläufe dokumentiert und besser sichtbar. Es entstanden in den Betrieben keine Mehrkosten durch die Zertifizierung, vielmehr konnten sogar Einsparungen erzielt werden. Als wesentlichen Erfolgsfaktor sehen die Podiumsgäste die Beteiligung der MitarbeiterInnen. Durch den Zertifizierungsprozess werden die Angestellten sensibilisiert und hellhöriger. Anfängliche Bedenken einzelner MitarbeiterInnen waren rasch zerstreut. Herr Kaindlstorfer berichtet, dass der Zertifizierungsprozess etliche andere Initiativen wie etwa eine Biozertifizierung in Gang setzte. Regionale Zulieferer stellten in Folge ebenfalls auf „bio“ um. Von den Gästen wird das Umweltzeichen durchwegs sehr positiv aufgenommen und teilweise auch nachgefragt. Herr Mayerhofer zitierte eine Studie, wonach „Nachhaltigkeit“ bereits auf Platz 4 der Buchungskriterien steht – weiterhin an der Spitze liegen die Lage der Unterkunft und die Kosten. Die Naturfreunde Österreich zertifizieren ihre Hütten seit 2011 laufend mit dem Umweltzeichen. Wanderer suchen die Hütten nicht unbedingt nach dem Umweltzeichen aus, aber das Umweltzeichen ist ein Plus. Diskutiert wurde in der Runde ebenfalls die umweltfreundliche Anreise: Immer mehr Hotelgäste reisen mit der Bahn an und nehmen ein Abholservice in Anspruch. Von den 150 Naturfreunde-Hütten in Österreich sind etwa 100 gut ans öffentliche Netz angebunden, im Zuge der Initiative „Umsteigen vorm Aufsteigen“ wird eine öffentliche Anreise zu den Ausgangspunkten der Hüttenwanderungen beworben. In Ostösterreich ist das Angebot des ÖV meist gut, in anderen Regionen aber oft unattraktiv. In der anschließenden Publikumsdiskussion wird angeregt, eine Biozertifizierung als Kriterium für das Umweltzeichen zu forcieren. Es gibt jedoch etliche Bedenken, u.a. dass nicht immer Biobetriebe in der jeweiligen Region vorhanden sind und Bio und Regionalität somit nicht immer vereinbar seien.

Thema Mobilität

Am Podium: Eva Buzzi ÖBB Rail Tours (www.railtours.at/)
Nieves Zubalez/Spanischer Jakobsweg (www.lifestarsplus20.eu)
Hans-Rudolf Hänni/Camino Europe (www.camino-europe.eu/) Christian Weinberger/eco plus; EuroVelo Koordinator Österreich (www.eurovelo.org/)

Camino Europe bildet zusammen mit vernetzten Jakobsweg-Webseiten aller beteiligten Länder – Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien, Ungarn, Südtirol und der Schweiz – eine transnationale Informationsplattform für Pilgerinnen und Pilger. Pro Tag verzeichnet die Seite 1.000 bis 1.500 Zugriffe. Pilgern ist an sich eine umweltfreundliche Art der Fortbewegung; die Pilgerinnen und Pilger sind in der Regel im Hinblick auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit sensibilisiert. In Spanien wird im Rahmen des EU-Projektes Stars+20 die Mobilität via E-Bikes gefördert, indem entlang des Jakobsweges Ladestationen eingerichtet werden. Das Projekt europäisches Radfernroutennetz EuroVelo wurde 1995 von der europäischen Radfahrervereinigung ECF mit dem Ziel initiiert, 12 Radfernrouten quer durch Europa zu verbinden bzw. zu entwickeln. „EuroVelo“ wird vom ECF gemanagt. Wo vorhanden, wurden bereits bestehende Hauptradrouten (z.B. entlang von Flüssen) als EuroVelo -Routen definiert sowie miteinander verbunden. Die Entwicklung bzw. der Bau der EuroVelo-Radrouten wird in allen europäischen Ländern durch die national, regional und/oder lokal zuständigen Stellen durchgeführt. Durch Österreich führen 3 EuroVelo-Radwege: Eurovelo 6 (Donauradweg), Eurovelo 7 (Tauernradweg), Eurovelo 9 (Thermenradweg/Wien-Brno). Wichtig ist ein gutes Angebot für den Transport der Fahrräder mit der Bahn. Dort, wo das Angebot funktioniert, wird es auch gut angenommen. Der Knackpunkt ist die Disposition der Fahrräder in der Bahn; kritisiert wird etwa, dass für Gruppen von RadfahrerInnen nicht genügend Platz für den Radtransport per Zug vorhanden und auch keine Reservierung möglich ist. Wichtig wäre eine gemeinsame Angebotsentwicklung für Radreisen mit der Bahn. Frau Buzzi betont, dass Städtereisen per Bahn sehr gut angenommen werden. Die ÖBB entwickeln ihre Angebote ständig weiter, auch Nachtzüge sind ein wichtiges Thema. Im Zuge der Publikumsdiskussion wird die Rolle der Bahn für eine ökologische Anreise mehrfach angesprochen. Die Verbindungen müssen für Gäste attraktiv sein, der Fahrradtransport muss vereinfacht werden.

Thema Aktivität

Am Podium: Thomas Sattler/Nationalpark Gesäuse (www.nationalpark.co.at/)
Eckart Mandler/Wanderhotels (www.wanderhotels.com/de/)
Hannes Mayer/Schmittenhöhe Seilbahn Zell am See (www.schmitten.at/de)

Herr Sattler und Herr Mandler heben den Wert der Authentizität im Tourismus hervor. Gäste merken sehr rasch, ob hier alles stimmt. Der Nationalpark Gesäuse ist für BesucherInnen attraktiv, weil die Landschaft und auch die Bevölkerung authentisch sind. Die Partnerbetriebe in der Nationalparkregion verfügen über viel Wissen über den Nationalpark, zeigen ihren Gästen die Region und helfen, Konflikte zwischen der touristischen Nutzung und dem Naturschutz möglichst gering zu halten. Zudem sind die meisten Gäste meist im Hinblick auf einen sorgsamen Umgang mit der Natur sensibilisiert. Die Wanderhotels gehen gezielt auf die Bedürfnisse von Wanderern ein. Wichtig ist, dass die Hoteliers eine Ausbildung als Wanderführer haben und den Gästen ihre Region zeigen können. Durch das Vermitteln der Besonderheiten der Natur werden die Gäste zu einem schonenden Aufenthalt in der Natur motiviert. Seilbahnen ermöglichen es den Gästen, im Winter wie im Sommer in die Berge zu kommen und die Natur zu erleben. Gerade im Sommer ermöglichen Seilbahnen auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ein unmittelbares Naturerlebnis im Gebirge. Herr Mayer betont, dass die Natur das wichtigste Potenzial des Tourismus ist. Wesentlich ist daher ein schonender Umgang mit der Natur, gerade auch für Seilbahnbetreiber, die sich oft im Zwiespalt zwischen dem Naturschutz und der touristischen Erschließung befinden. Die Schmittenhöhe Seilbahn setzt auf neue, umweltfreundliche Technologien, wie Photovoltaik, energieeffizientes Bauen, elektrobetriebene Skidoos und vieles mehr. Seit 2010 ist das Seilbahnunternehmen klima:aktiv-Partner und das einzige Seilbahnunternehmen mit EMAS-Zertifizierung.

Workshop im Rahmen des Tourismusnetzwerkes

© NFI / Österreichisches Umweltzeichen

AKTIONS- UND VERNETZUNGSNACHMITTAG

Kreativer Einstieg in den Workshop-Nachmittag: Mit BloggerInnen auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Tourismus Elena Paschinger stellt ihren Reiseblog creativelena.com vor und betont die Rolle von Social Media im touristischen Marketing.

World Cafés

Thema Mobilität Es gibt schon zahlreiche umweltfreundliche Mobilitätsangebote – überregional und regional. Wie kann die Zusammenarbeit der einzelnen Anbieter verbessert werden? Wo sind Hindernisse und Lücken – und wie kann man sie schließen, um für den Gast eine attraktive An-/Abreise und letztendlich einen autofreien Urlaub zu ermöglichen? Wo sind die Anknüpfungspunkte zu den Gastgebern und zu den Aktivitäten in den Tourismusregionen? Tables Hosts: Karmen Mentil/Alpine Pearls & Romain Molitor/komobile

Ergebnisse: Im Workshop wurden diese Knackpunkte für eine funktionierende umweltfreundliche Anreise erarbeitet:

  • Die An- und Heimreise soll komfortabel, sicher, bequem zu buchen, günstig, barrierefrei sein; ein Gepäckservice soll angeboten werden.
  • Entscheidend für die Wahl des Verkehrsmittels ist die „letzte Meile“, also der Weg vom Bahnhof zum Hotel bzw. vom Bahnhof nach Hause.
  • Vor-Ort-Mobilität: Shuttle, Verleih von Rädern, Wanderbus, E-Car-Sharing
  • Kommunikation und Information über umweltfreundliche Anreisemöglichkeiten und Vor-Ort-Mobilität sind entscheidend. Hier sind die Gastgeber selbst und das Personal wichtige Informationsquellen und MultiplikatorInnen. Infos zur umweltfreundlichen Anreise müssen auf Website des Betriebes leicht zu finden sein.
  • Für ein umweltfreundliches Urlaubsangebot braucht es Kooperationen der Leistungsträger in der Region. Auch die großen Mobilitätsdienstleister (ÖBB) sind gefordert!

Thema Gastgeber In ausgezeichneten Betrieben übernachten und essen. Was hat der Gast persönlich von einem umweltfreundlich wirtschaftenden Betrieb? Wie kann Nachhaltigkeit in den Dienstleistungen spürbar sein? Welche Rolle im Rahmen eines Angebots spielen die Gastgeber als Bindeglied im Netzwerk „umweltfreundliches Tourismusangebot“?

Ergebnisse:

1) Table Host: Leo Döcker/Villa Sonnwend Erfolgsfaktoren für umweltfreundliche Gastgeber:

  • Authentizität, Überzeugung (z.B. persönliches Abholen der Gäste vom nächsten Bahnhof, Einkauf regionaler und biologischer Produkte)
  • Qualitätsmanagement
  • Umweltfreundliche Betriebsführung ist Mehrwert für Marketing
  • In einem umweltfreundliche n Betrieb ist der Wohlfühlfaktor höher • Sanfter Tourismus steht im Einklang mit der Natur Wo liegen die Herausforderungen?
  • Zertifizierung ist mit bürokratischem Aufwand verbunden, die positiven Aspekte müssen kommuniziert werden (z.B. finanzielle Einsparungen sichtbar machen)
  • Das Österreichische Umweltzeichen sollte in Zukunft stärker als Innovationsmotor im Tourismus gesehen werden; es gilt zu hinterfragen, wofür das Umweltzeichen steht. Wo gibt es Anknüpfungspunkte zu den Bereichen Mobilität und Angebote?
  • Die Region muss öffentlich gut erreichbar sein, sonst stirbt sie!
  • Die Gemeinden einer Region müssen eng kooperieren, damit die Mobilität vor Ort funktioniert (z.B. Rufbus, Wandertaxi etc.).

2) Table Host: Christina Neumeister-Böck/Naturidyll Hotels Authentizität wichtig! Der Gast merkt schnell, ob Nachhaltigkeit ehrlich ist oder nur ein Marketing-Gag. Nachhaltigkeit als Unternehmenskultur, der Betrieb muss den Respekt vor der Natur vorleben – so werden auch die Gäste zu einer Verhaltens-/Lebensänderung angeregt (z.B. über vegetarische/vegane Küche). Das Konzept muss von den MitarbeiterInnen mitgetragen werden; wichtig ist auch die soziale Vernetzung in der Region. Für eine umweltfreundliche Mobilität sind die Kooperation mit anderen Betrieben in der Region und die Förderung der Kommunikation unter den Gästen (Stichwort: Carsharing unter Gästen) wichtig.

Thema Aktivität Wie kann ein Angebot zu einem nachhaltigen Erlebnis werden? Braucht ein attraktives Angebot „action“ – und wie viel „action“ verträgt es? Wo liegen die ökologischen Grenzen?

Ergebnisse:

1) Table Host: András Vissi (Experte für grenzüberschreitende Regionalentwicklung) /Marienweg Ungarn Wichtig ist die Vernetzung und Bündelung der Stakeholder in der Region. Es gibt Gäste, die einen Adrenalin-Kick suchen, immer mehr (auch immer jüngere) suchen jedoch die Ruhe als Ausgleich vom Alltagsstress. Aber auch in der Stille braucht es ein gewisses – gut dosiertes – Angebot. Ökologische Grenzen sind von Destination abhängig; im Sinne des Naturschutzes ist ggf. eine Begrenzung der BesucherInnen-Zahl sinnvoll.

2) Table Host: Sylvia Farbmacher/Wiesen Rockfestival Der Tourismus sollte sich aus der Region entwickeln, und zwar von unten nach oben (von der Bevölkerung getragen). Entscheidend ist die gemeinsame Kommunikation (Vereine, einzelne Bürger, Betriebe etc.). Sobald sich der Abstand zum Gast vergrößert, wird der Tourismus zur Industrie.

Tourismusnetzwerk Podium Kommunikation

© NFI / Österreichisches Umweltzeichen

Podiumsrunde: Gemeinsam erfolgreich in der Kommunikation von nachhaltigem Tourismus!

Am Podium: Ulrike Rauch-Keschmann/Österreich Werbung, AndràsVissi, Sylvia Farbmacher, Christina Neumeister-Böck, Leo Döcker, Romain Molitor, Karmen Mentil
Moderation: Susanne Grof-Korbel/bettertogether

Key-Statements:

  • Nachhaltigkeit ist kein Trend, es ist eine Einstellung.
  • Die Erlebnisse entstehen mit und durch die Gastgeber. Die persönliche Kommunikation mit den Gästen ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.
  • Nachhaltigkeit ist kein Verkaufsargument, im Erlebnis macht sie aber einen Unterschied.
  • Durch die Umweltzeichen-Zertifizierung wird der Wohlfühlfaktor für die Gäste gesteigert.
  • Das Umweltzeichen ist eine Säule eines guten Betriebes. Dahinter muss ein stimmiges Konzept stehen.
  • Beispiel „Urlaub am Bauernhof“: sehr gute Positionierung, Aufbau einer Marke.
  • Labels geben den KundInnen Orientierung. Wichtig ist die Vernetzung, damit man als einzelner Betrieb auch gefunden wird (Nationalparks als Best-Practice-Beispiele).
  • Man muss Informationen dort bereit stellen, wo sie von den KonsumentInnen gesucht werden (Stichwort digitales Marketing).
  • Wichtig ist die Kommunikation ohne erhobenen Zeigefinger – die Nachhaltigkeit muss zum Erlebnis gemacht werden.
  • Die beste Kommunikation bringt nichts, wenn Angebot und Erlebnis nicht passen.