Paar mit Korb voller Erdbeeren
© Schedl_KWP

gemeinsam gartln

Selbst angebautes Gemüse ernten, das Farbenspiel der Blüten und die Überlebensstrategien der Tierwelt bestaunen und sich mit Gleichgesinnten austauschen – das macht ein erfülltes Gartenleben aus.

Die Hände in der krümeligen Erde und an prallen Paradeisern, das Aroma der Kräuter riechen, sonnengereifte Erdbeeren und jungen Salat kosten - kaum etwas lässt uns die Natur intensiver erleben, als das Gärtnern. Gärtnern macht Freude, entspannt – und am lustigsten ist es in einer Gruppe. Auf der Erde stehend – geerdet - finden Menschen, die sonst kaum miteinander geredet hätten, ein gemeinsames Thema, können voneinander lernen und ein gemeinsames Ziel setzen: die eigene prächtige und gesunde Ernte. Das Gärtnern verbindet über alle Generationen, sozialen Schichten und Herkunftsorte hinweg. Dass frische Früchte aus dem eigenen Garten gesund sind, zum Umweltschutz beitragen und das Haushaltsbudget entlasten, ist mittlerweile in aller Munde.

Von der Vision zur Ernte

Am Anfang jedes Gemeinschaftsgartens stehen eine Menge Begeisterung, der Wille, etwas zu tun und das Einholen von Informationen. Gibt es im eigenen Umfeld fertige Angebote oder soll man lieber selbstbestimmt aktiv werden? Auf viele Fragen weiß der Gartenpolylog Antwort. Er vernetzt bestehende Gemeinschaftsgartenprojekte, initiiert und begleitet neue Projekte und bietet Informationen, zu Planung, Vereinsgründung, Finanzierung, ökologische und soziale Aspekte u.v.m. https://gartenpolylog.org
Hilfreich sind auch Projekte in den Bundesländern, wie „Natur im Garten“ Niederösterreich, www.naturimgarten.at, die Wiener Stadtgärten, www.wien.gv.at/umwelt/parks/stadtgaerten.html. Auch die Gesunden Gemeinden und die Dorf- und Stadterneuerung rufen Gemeinschaftsgartenprojekte ins Leben und begleiten diese.

Frauen beim Einsetzen von Pflanzen
© Pflanzerei Schallmoos

Wie geh ich es an?

Ist eine Gartenfläche passender Größe gefunden, gilt es die Besitzverhältnisse und rechtlichen Rahmenbedingungen abzuklären sowie die vorhandene Infrastruktur: gibt es bereits einen Wasseranschluss oder Brunnen, Umzäunung, Wege oder gar eine Hütte? Welche Genehmigungen sind dafür einzuholen und welche Kosten werden anfallen zusätzlich zu einer eventuellen Pacht? Jetzt sollte sich auch schon eine Kerngruppe engagierter zukünftiger Mitgärtner gebildet haben.

Selbst wenn es noch keine konkrete Fläche gibt, kann man das Vorhaben in der Umgebung nach außen kommunizieren, um so vielleicht das Umfeld auf den „Geschmack zu bringen“ und eine Liste mit Interessenten aufzustellen. Hilfreich sind Gespräche mit Mitgliedern anderer Gemeinschaftsgärten, um die Statuten der Gruppen kennen zu lernen und welche Regeln für ein konstruktives Miteinander aufgestellt wurden.

Auf die Plätze, Garten, los…

Bei der Gestaltung empfiehlt es sich, die Fläche zu zonieren, ein paar Bereiche für künftige Ideen frei zu lassen und einen großen gemeinsamen Platz für kommunikatives Beisammensein vorzusehen. Gärtnerisch wird sicher als erstes die Bodenbeschaffenheit ergründet und gegebenenfalls gleich mit Kompost aufgebessert. Dazu gibt es eine große Auswahl an Substarten, Komposten und Erden, die mit dem österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet sind.

Unter anderem auch die torffreie Erde „Guter Grund“ der MA 48 der Stadt Wien, die auf allen 18 Wiener Mistplätzen erhältlich ist. Ausgangsmaterial sind die rund 100.000 Tonnen an Bioabfällen, die in den über 80.000 Biotonnen im Grüngürtel der Stadt und über die Mistplätze gesammelt werden. Aus Apfelputzen, Grünschnitt & Co wird hochwertige Erde in Biolandbau-Qualität hergestellt. In die Erde der MA 48 wird auch kein Torf beigemischt. Das schützt die Moore, die zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen für Pflanzen und Tiere zählen. Darüber hinaus ist die Erde auch ein „Guter Grund“ für alle, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten möchten: Neben dem Schutz der Moore erspart man der Umwelt auch weite Transportwege für den Import nach Österreich.

Wird der Gemeinschaftsgarten einmal eingerichtet, darf der Kompostplatz nicht fehlen. Dann kann man gleich direkt im Garten die wertvolle Erde für die nächsten Jahre herstellen. Doch jetzt beginnen einmal die schönen Seiten des Gärtnerns: Gemüse, Blumen und Beeren auswählen, pflanzen, pflegen und dem Heranwachsen zusehen. Und auf das Feiern nicht vergessen!