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Grüne Kredite und ihre Bedeutung für Banken und Unternehmen – eine Nachlese

Die Europäische Union hat sich mit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens und dem Green Deal ambitionierte Klimaziele gesetzt. Für die Zielerreichung ist ein konstruktives Zusammenspiel von Real- und Finanzwirtschaft erforderlich, um ausreichend Kapital für nachhaltige Aktivitäten mobilisieren zu können. Auf Banken und Kreditinstitute kommen große Herausforderungen zu, denn sie nehmen eine Schlüsselrolle in der Transformation der Wirtschaft ein.

Für die nötige Finanzierung der nachhaltigen und klimafreundlichen Aktivitäten gibt es eine Reihe an Finanzinstrumenten wie beispielsweise Grüne Kredite bzw. Green Loans. Ein grüner Kredit ist eine Finanzierungsform, die es Kreditnehmern ermöglicht, die Erlöse ausschließlich zur Finanzierung von Projekten zu verwenden, die einen wesentlichen Beitrag zu einem Umweltziel leisten. Ein grüner Kredit ähnelt damit einer grünen Anleihe, da er Kapital für grüne Projekte beschafft.

Welche Bedeutung Grüne Kredite für Banken und Unternehmen bereits haben, wurde in einem Webinar diskutiert, das am 4. April 2022 von der ÖGUT im Auftrag des Klimaschutzministeriums und in Kooperation mit dem Umweltzeichenteam im VKI durchgeführt wurde.

Josef Behofsics begrüßte die Teilnehmenden der Online-Veranstaltung im Namen des Klimaschutzministeriums und übergab an Susanne Hasenhüttl von der ÖGUT, die durch die Veranstaltung führte. Katharina Muner-Sammer, ÖGUT, startete mit einer Einführung in das Thema Green Loans. Raphael Fink, Verein für Konsumenteninformation, erläuterte in seinen folgenden Ausführungen die Kriterien des Österreichischen Umweltzeichens für nachhaltige Finanzprodukte (Richtlinie UZ49) im Finanzierungsbereich. Das Österreichische Umweltzeichen für nachhaltige Finanzprodukte gilt seit 2004 als Standard für nachhaltige Finanzprodukte in Österreich. Mittlerweile sind bereits mehr als 200 Finanzprodukte mit dem Umweltzeichen zertifiziert. Seit 2020 können auch Grüne Anleihen und nachhaltige Girokonten mit dem Umweltzeichen ausgezeichnet werden, für Grüne Kredite gibt es diese Möglichkeit (noch) nicht. Laut Raphael Fink sind Grüne Kredite jedoch der nächste sinnvolle Schritt in der Produktgruppenerweiterung.

Reinhard Friesenbichler, Geschäftsführer der rfu, stellte die Bankbilanz an den Beginn seiner Ausführungen. Er sieht im „Green Pool“ die Basis für Green Loans und beschäftigte sich mit der Frage, ob ein „echter“ grüner Projektmangel besteht oder die Problematik eher in der Zuordnung (inhaltlich, zeitlich) bei der Deckungserfordernis liegt.

In der Folge gab Andreas Hauer, Head of Sustainable Finance Corporates, Erste Group Bank, seine Sichtweise wieder. Er unterstrich die wichtige und langfristige Rolle nachhaltiger Finanzierungen durch die vermehrte Aufnahme von Nachhaltigkeitsstrukturen in den Kreditverträgen. 2021 betrug das Green & ESG Kreditvolumen in der Region Westeuropa USD 222 Mrd. Der letzte Vortrag von Thomas Possert, Leiter Konzernrechnungswesen der Energie Steiermark AG, fokussierte auf die unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Instrumente der „Grünen Finanzierung“ und gab einen Einblick in die Green Loan Transaktion des Unternehmens in Zusammenarbeit mit der ERSTE Bank.

Zum Abschluss des Webinars bedankte sich Josef Behofsics sehr herzlich bei den Vortragenden und den zahlreichen Teilnehmer:innen der Veranstaltung.

Die einzelnen Präsentationen und die Aufzeichnung des Webinars stehen auf der Website der ÖGUT zum Download zur Verfügung: https://www.oegut.at/de/events/2022/04/uz-webinar-gruene-kredite.php

Verfasst von Susanne Hasenhüttl, ÖGUT