© umweltzeichen

Green Finance: Längst kein Mauerblümchen mehr!

Green Finance ist in Österreich und Europa auf dem Vormarsch. Doch auch andernorts auf der Welt gewinnt das Thema zunehmend an Wichtigkeit. Herausforderungen wie die Klimakrise können nur global gelöst werden.

Grünes Wachstum
Grünes Wachstum bedeutet, Wirtschaftswachstum zu erzielen und gleichzeitig Umweltverschmutzung und Treibhausgasemissionen zu reduzieren, Abfall zu minimieren sowie die Effizienz bei der Nutzung natürlicher Ressourcen zu erhöhen.

Hohe, langfristige Investitionen sind zur nachhaltigen Finanzierung dieses angestrebten grünen Wachstums notwendig. Angesichts der Belastung öffentlicher Finanzen sind private Investitionen im großen Stil für den Übergang zu einer grünen Wirtschaft erforderlich – auch wenn öffentliche Haushalte traditionell eine wichtige Quelle für die Finanzierung grüner Infrastrukturen sind.

Politische Rahmenbedingungen

Regierungen und ihre Programme spielen eine Schlüsselrolle bei der Stärkung der innenpolitischen Rahmenbedingungen, um private Finanzen und Investitionen zur Unterstützung des grünen Wachstums zu mobilisieren – und zu kanalisieren. Gleichzeitig brauch es auch eine internationale Koordination, um Reformen in dieselbe Richtung anzustoßen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen und Ziele aufeinander abzustimmen. Derartiges unternimmt derzeit die Europäische Union mit ihrem Paket zu nachhaltigen Finanzen: hier werden derzeit Bereiche wie nicht-finanzielle Offenlegung, Benchmarking und ein Klassifizierungssystem nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten („Taxonomie“) umgesetzt.

In Bezug auf nachhaltige Investitionen nimmt die Europäische Union mit einem Gesamtvermögen von über 14 Billionen USD den Spitzenplatz ein (Global Sustainable Investment Alliance, 2018). Wachsende Besorgnis über die Auswirkungen des Klimawandels und die Folgen von Pandemien haben größere Aufmerksamkeit auf ökologische und soziale Risiken gelenkt. Green Finance ist klarerweise auch Teil des 2020 vorgestellten Green Deals der Europäischen Kommission.

Doch nicht nur die Europäische Union hat die Wichtigkeit des Themas erkannt.

Globale Verteilung

Das Marktvolumen in den fünf wichtigsten Regionen für nachhaltige Finanzmittel (USA, Europa, Japan, Kanada, Australien und Neuseeland) belief sich Ende 2019 auf 30 Billionen USD. Dies entspricht einer Steigerung von mehr als 30% im Vergleich zum Jahr 2016. Der Großteil der nachhaltigen Anlagen ist im Kapitalmarkt (51%) und festverzinsliche Vermögenswerte (36%) investiert. Der verbleibende Anteil verteilt sich auf Immobilien, private Aktien und andere Arten von Vermögenswerten (vgl. Global Sustainable Investment Alliance, 2018). Weltweit wurden Ende 2019 fast 1 Billion USD an Vermögenswerten in nachhaltigen Fonds gehalten. Davon entfielen rund 75% auf institutionelle Anleger und die restlichen 25% auf Privatanleger.

Anlagenstrategien

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die damit verbundenen Schwierigkeiten zur Unterscheidung zwischen ESG-Investitionen und „Impact-Investing“ zu verstehen. ESG steht dafür für die Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten im Investmentprozess. Das bedeutet aber nicht, dass lediglich diese Faktoren betrachtet werden – nicht, dass sie zwingend Einfluss auf die Titelauswahl haben. Hierzu braucht es klare Vorgaben, wie sie etwa in der Richtlinie des Österreichischen Umweltzeichens für Nachhaltige Finanzprodukte vorgeschrieben sind. Dieses stellt sicher, dass gewisse Investments ausgeschlossen sind, andere bevorzugt werden.

Impact Investments fokussieren auf die Lösung sozialer Probleme oder Herausforderungen im Umweltbereich. Der globale Impact-Investing-Marktes wird lt. Global Impact Investing Network auf USD 715 Milliarden geschätzt. Hier ist Skepsis angebracht, denn die direkte Wirkung von Investments liegt nicht immer auf der Hand. Angesichts des enormen Finanzierungsbedarfs, etwa für Klimaschutzmaßnahmen sowie der steigenden Sensibilität der Anleger ist jedoch davon auszugehen, dass die Dynamik im Bereich der nachhaltigen Investitionen auch in Zukunft anhalten wird.

Umso wichtiger, dass es Gütesiegel wie das Österreichische Umweltzeichen gibt, die eine Orientierung in diesem spannenden Feld bieten.