Wohnzimmer in weiß
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Wohnen: Wohnzimmer

Das Wohnzimmer erhält von den Planern nach wie vor den größten Kuchen vom Platzangebot einer Wohnung, manchmal sogar bis zur Hälfte des vorhandenen Wohnraumes.

Wie der Name schon sagt steht das „Wohnzimmer“ für „wohnen“. Aber was ist das genau? Das was übrig bleibt, wenn ich schlafen, kochen, essen, baden abziehe? Richtig: Fernsehen!

Um zu verstehen, warum es das Wohnzimmer in der Form überhaupt gibt, müssen wir einige Jahrzehnte zurückzuschauen. Ursprünglich wohnten die einfachen Leute nur in einem einzigen Zimmer. Im Laufe der Zeit haben sich die Betten in eigene Räume verabschiedet, alles andere blieb im Wohnzimmer, das auch der einzige Raum war, in dem geheizt wurde. Kochen, Essen, Gäste empfangen, Karten spielen, lesen – wohnen eben. Und weil’s beim Ofen auch gleich warmes Wasser gab, stand die Blechwanne zum Baden griffbereit.

Erst in den 50er Jahren wanderten viele Elemente dieses Wohnens in eigene Räume ab. Nicht zuletzt durch das Aufkommen von Zentralheizungen, mit denen es erstmals möglich war, mehrere Räume bequem zu heizen, entstanden Küche, Esszimmer, Arbeitszimmer, Badezimmer usw. Eigentlich wird das Wohnzimmer in seiner ursprünglichen Bedeutung überflüssig. Dennoch bleibt es als größter Raum in der Wohnung mit unbestimmter Nutzung übrig.

Nicht selten wurde der Raum mit schönen Möbeln eingerichtet und dann kaum genutzt. Man wollte vor allem den Gästen etwas Besonderes zeigen. Doch diese fühlen sich hier gar nicht recht wohl. Denn eine Wohnlandschaft ist ein sehr privater Rückzugsbereich. Dort möchte ich es so bequem wie möglich haben, die Füße hoch lagern und von allem abschalten, was mich den ganzen Tag lang beschäftigt hat. Der Gast fühlt sich wie ein Eindringling in diese Privatsphäre. Nach einem kurzen Empfangsdrink sollte man sich eher rund um den Esstisch versammeln.

Der König der Möbel

Heute herrscht der Fernsehapparat mit immer größer werdenden Bilddiagonalen über das Wohnzimmer. Das Heimkino übernimmt die Unterhaltung und die Freizeitgestaltung der Familie, die Möbelindustrie lieferte die dazugehörigen Couchlandschaften. Darüber hinaus beherbergt das Wohnzimmer nach wie vor auch die Utensilien einer anderen Freizeitgestaltung wie etwa die mehr oder weniger umfangreiche Bibliothek, Tonträger und deren Abspielgeräte, Musikinstrumente und einiges mehr. Dazu fügt sich heute noch eine umfangreiche Computertechnologie in die multimediale Landschaft ein.

Die Nutzungsrechte am Wohnzimmer sind ein vorprogrammierter Familienkonflikt. Und dieser wird durch den Trend zu offenerem Wohnen noch zusätzlich verschärft, weil man sich dauernd gegenseitig stört. Wenn wir etwa mit Freunden am Esstisch sitzen und uns unterhalten möchten, während die Kinder gleich nebenan fernschauen, stört das die Kommunikation enorm. Und wir stören gleichzeitig die Kinder, die dann immer lauter drehen. Das wird so nicht funktionieren. Spielen Sie bei der Planung Ihrer Wohnung mit dem Gedanken, wenn möglich ein eigenes Fernsehzimmer vorzusehen, mit bequemen Fernsehsesseln und einem Beistelltisch für Fernbedienung, Getränke und Knabbereien.

Robust oder edel

Bei der Einrichtung des Wohnzimmers sollten sich Familien mit Kindern nicht unbedingt für die edelste Möblierung zu entscheiden. Eine Couch ist zwar kein Trampolin, wird von den Kindern jedoch beim Spielen heftig beansprucht. Mit Sicherheit wird auch das eine oder andere Saftglas verschüttet, in den Ritzen sammeln sich Reste vom Essen und Knabbergebäck. Daher sollte das Möbelstück robust und pflegeleicht sein, die Bezüge möglichst abziehbar und waschbar. Greifen Sie bei den Materialen für eine Couch zu natürlichen Stoffen. Kunstleder empfindet man meist als sehr kalt. Gemütlich wird es erst dann, wenn alles mit Decken und Pölstern ausgelegt ist.

Das Wohnzimmer kann auch zum Gästezimmer werden. Das ist leicht möglich, wenn die Couch ausziehbar ist und mit ein paar Handgriffen zum Bett umgebaut werden kann. Bei einer sehr offenen Bauweise ist das nicht wirklich angenehm für die Gäste.

Auch die Beleuchtung spielt eine wichtige Rolle. Dafür sollte man sich schon vorher genau die Nutzung des Raumes überlegen, etwa eine Stehlampe für die Leseecke, ein schwaches, dimmbares Licht zum Fernsehen oder eine gute Ausleuchtung für das Bücherregal oder einen Computerarbeitsplatz. Ein großer Raum kann so mit verschiedenen Lichtquellen auch sehr gut in verschiedene Bereiche unterteilt werden. Pflanzen die sich großzügig im Raum ausbreiten dürfen, können diese Funktion unterstützen und zudem für gute Raumluft sorgen.