Blässgänse sind in Österreich sogenannte "Überwinterer". Copyright by Toivo Lagerweija. freeimages.
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Hamstern, Reisen und Co - Tiere im Herbst und Winter!

Viele Tiere wandern im Herbst (und im Frühjahr) von deren Sommerhabitate in die - zu meist - südlicheren Winterhabitate. Mobilität mal anders!

Der Vogelzug

Naturphänomene waren schon immer eine Herausforderung für die Menschen aller Kulturen. Das Verschwinden der Vögel im Herbst und ihr Erscheinen im Frühjahr waren besonders auffällig. Aristoteles vermutete, dass sich Sommervögel in Wintervögel „verwandelten“, die sogenannte Transmutationstheorie entstand. Die Auguren (Vogelbeobachter) des Altertums lasen aus dem Vogelflug die Zukunft ab. Massenzuflüge, so genannte Invasionen bestimmter Vogelarten, wurden im Mittelalter als Vorzeichen von Krieg oder Pest gedeutet. Im 18. Jahrhundert glaubten Carl von Linne und andere Wissenschaftler, dass Schwalben den Winter im Schlamm von Teichen und Seen verbringen. Bis zur Mitte unseres Jahrhunderts glaubte der Volksmund noch, dass sich der Kuckuck im Herbst in einen Sperber verwandelt. Copyright by Schweizerische Vogelwarte.

Die Realität des Vogelzugs ist kaum weniger beeindruckend als die Legenden, die darüber erfunden werden. Mit dem Auftreten der „Pfeilstörche“ (rund 25 Fälle bekannt) konnte der Vogelzug bis nach Äquatorialafrika belegt werden. Pfeilstorch bezeichnet einen Weißstorch, welcher auf der Reise (Frühjahreszug) von Afrika mit einem Jagdpfeil verletzt, nach Europa zurückkehrte.

Blässgänse sind in Österreich sogenannte
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Die Beobachtung liefert uns Informationen über die jahreszeitlichen Veränderungen des Vogellebens in verschiedenen Gebieten, über Zugzeiten, Rastplätze und Fütterung sowie über das Verhalten während des Zuges. Wiederentdeckungen von beringten Vögeln geben Aufschluss über Zugrouten und Winterquartiere, Aufenthaltsdauer an Rastplätzen, Treue zu Geburts- oder Brutplätzen und zu Rast- oder Überwinterungsgebieten. Die Kombination von Fang und Beobachtung gibt Aufschluss über die Anforderungen der Zugvögel an ihre Rastplätze, über die Nutzung und Bedeutung dieser Lebensräume und über den Aufbau von Fettreserven. Mit Hilfe von Radarbeobachtungen lassen sich vor allem die unter verschiedenen Umweltbedingungen beobachteten Richtungen, Höhen und Geschwindigkeiten bestimmen. Copyright by Schweizerische Vogelwarte.

Rastplätze

Nur wenige unserer Vögel verbringen das ganze Leben am selben Ort. Die meisten verlassen den Brutort im Spätsommer oder Herbst und suchen Winterquartiere auf. Diese können nur wenige Kilometer vom Brutort entfernt oder tausende Kilometer südlich des Äquators liegen. Auf dem Weg zum Winterquartier braucht es Rastplätze, wo sie sich aufhalten und ernähren können, wo sie Energiereserven für den Weiterflug auftanken, sich vor Feinden verstecken und ihr Gefieder wechseln können. Geeignete Rastplätze sind für Zugvögel lebensnotwendig. Wie viele Brutgebiete sind auch sie zunehmend bedroht. Ihr Schutz ist besonders schwierig. Copyright by Schweizerische Vogelwarte.

Es gibt verschieden Typen von Zugvögel und auch innerhalb einer Art, geografisch-differenziertes Zugverhalten. Beispiele für Typische Zugvögel sind die Weißstörche und Schwalbenarten, wie Mehl- und Rauchschwalbe. Typische Standvögel sind hingegen die Amsel und die Spatzen/Sperlinge.

Aber nicht alle Tiere sind so mobil wie Vögel. Daher gibt es auch unterschiedliche Anpassungsstrategien an die kältere Jahreszeit.

Winterschlaf

Gleichwarme Tiere sind Tiere, die ihre Körpertemperatur selbst regulieren können, etwa wie Igel, Feldhamster, Murmeltier, Siebenschläfer, Spitz- oder Fledermaus – gleichwarme, kleine Säugetiere schlafen einfach den Winter durch. Sie senken die Körpertemperatur auf ein Minimum – das Murmeltier etwa von fast 40 auf drei Grad. Sie verlangsamen Herzschlag- und Atemfrequenz – so atmet der Igel statt 50 Mal pro Minute nur noch ein- bis zweimal – und setzen auch alle anderen Körperfunktionen auf Sparflamme. Ihr Fettgewebe sorgt dafür, dass sie monatelang ohne Fressen auskommen und dass ihre Körpertemperatur bei verstärktem Absinken der Außentemperatur kurzfristig aufgeheizt wird. Das ist ein immenser Kraftaufwand für die Tiere. Copyright by Daniela Illich. Blühendes Österreich.

Der Igel auf der Suche nach Nahrung oder einen geeigneten Unterschlupf. Copyright by Ali Taylora. freeimages.
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Winterruhe

Etwas größere gleichwarme Tiere wie Biber, Eichhörnchen, Dachs und Ziesel halten keinen festen Winterschlaf – sie ruhen sich aus, um Kräfte zu sparen. Dabei bleiben sie in ihren Bauten und Höhlen und reduzieren ihre Körpertemperatur um ein paar Grad. Eine zu starke Absenkung wäre für sie lebensbedrohlich. Zwischendurch wachen sie immer wieder auf, um auf Nahrungssuche zu gehen und sich zu „erleichtern“. Andere Säugetiere wie Rehe und Hirsche senken auch ihre Temperatur ab, sie halten aber keine Winterruhe. Sie schränken nur ihre Reaktionsfähigkeit ein und stehen dann oft bewegungslos in der Gegend herum. Braunbären sind weder echte Winterruher noch -schläfer: Sie ziehen sich im Winter in ihre Höhle zurück und begeben sich in eine Art Dämmerschlaf. Die Körpertemperatur senken sie dabei aber nur unwesentlich ab. Außerdem fressen und erleichtern sie sich in der Regel nicht. Copyright by Daniela Illich. Blühendes Österreich.

Winterstarre

Im Gegensatz zu den gleichwarmen Tieren versuchen wechselwarme Lebewesen wie Insekten, Fische, Amphibien und Reptilien nicht, ihre Körpertemperatur konstant zu halten. Sie passen diese der kalten Umgebungstemperatur an und verfallen in die Winterstarre. Dafür suchen sie sich frostfreie Plätze, wo sie ihre Lebensvorgänge fast auf null reduzieren. Frösche verstecken sich in Schlammlöchern, Schmetterlinge auf dem Dachboden oder im Keller, andere Insekten verkriechen sich in Holzritzen – ihr Trick ist das Glyzerin im Blut. Der Alkohol wirkt wie ein „Frostschutzmittel“, senkt den Gefrierpunkt des Blutes und hält die Körperflüssigkeiten auch bei geringen Temperaturen geschmeidig. Copyright by Daniela Illich. Blühendes Österreich.

Die "stille" Jahreszeit genießen!

Besuchen Sie Nationalparks und Naturparks in Österreich und lernen Sie mehr über unsere Umwelt in der kalten Jahreszeit!

Auch der Garten kann als Rast- oder Überwinterungsplatz für Tiere dienen.

Was tun im Garten?

Ihr Garten kann für viele Tiere ein Winterquartier werden. Um einen gesunden Garten zu haben, verzichten Sie unbedingt auf chemisch-synthetische Pestizide, Insektizide, Fungizide, chemisch-synthetische Dünger, Torf und invasive Neophyten (Liste der Neophyten in Österreich von der ÖGG). Die Grünen Produkte mit dem Österreichischem Umweltzeichen sorgen im Garten für einen gesunden Aufenthalts- oder Nahrungsort.

Eine Auswahl von erlaubten Dünger, Pflanzerden und Pflanzenschutz:

Die Karde bietet den Distelfinken / Stieglitz wertvolle Sämereien. Copyright by Rob Waterhouse. freeimages.
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Mit diesen (u.a.) einfachen Maßnahmen können Sie im Vorfeld für „Wilde Ecken“ und Überwinterungsräume schaffen:

  • Kein / Weniger Rasenmähen – spart Energie, Zeit und verschont/schützt Kleinstlebewesen.
  • Wachsen lassen – bspw. sind Disteln wichtige Nahrungspflanzen u.a. für den Distelfalter und den Distelfinken (Stieglitz).
  • Stehen lassen – diverse Pflanzenstängel sind wichtige Überwinterungsräume (frühestens im späten Frühjahr abräumen). Die Brennnessel bspw. ist die wichtigste Nahrungspflanze für die Raupen des Tagpfauenauges.

Danke an die Schweizer Vogelwarte und Blühendes Österreich für die Verwendung der markierten Texte.

Interessante Links:

Schweizerische Vogelwarte. https://www.vogelwarte.ch/de/voegel/vogelzug-info/

Daniela Illich. Blühendes Österreich https://www.bluehendesoesterreich.at/naturmagazin/tiere-im-winter-schlafend-ruhend-oder-starr

Birdlife Österreich. https://www.birdlife.at/page/vogelschutz-ums-haus

Lexikon der Biologie - Der Vogelzug. https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/vogelzug/69833