Leuchtturm Podersdorf
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6 Hot Spots der Überarbeitung des Umweltzeichens für Schulen und PH

Kürzlich wurde die neue Version der Richtlinie für Schulen und Pädagogische Hochschulen veröffentlicht. Das sind die aktuellen Herausforderungen für ein Denken & Handeln im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung:

Kürzlich wurde die neue Version der "Richtlinie für „Schulen und Pädagogische Hochschulen“ veröffentlicht. Ziel ist es, Bildungseinrichtungen dabei zu unterstützen, Umwelt- und Klimaschutz, Gesundheitsvorsorge und Bildungsqualität in den Schul- bzw. Hochschulalltag stärker zu integrieren. Umweltzeichenschulen haben Vorbildwirkung - sie erfüllen Leuchtturmfunktion in der Bildungsqualität. Das sind die sechs aktuellen Herausforderungen für ein Denken und Handeln im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung:

1. Die Biodiversität erhalten und fördern

Wissenschaftler, die regelmäßig die planetaren Grenzen erforschen, sehen, dass die Grenzen im Falle der Artenvielfalt viel deutlicher erreicht sind als beim Klimawandel (siehe The nine planetary boundaries und Vom stillen Frühling zur globalen Aussterbekrise) und Living Planet Report inkl. Österreich, WWF 2018). Gleichzeit ist das Wissen und Bewusstsein über das Artensterben viel geringer als über die Klimaerhitzung. Arten sind früher auch schon ausgestorben – aber noch nie so rasch! Daher wurde in die Richtlinie ein neues Muss-Kriterium aufgenommen: „Pädagogische Aktivitäten zum Thema Biodiversität“. Damit soll den SchülerInnen der Wert und die Wichtigkeit der Artenvielfalt, in vielfältiger Weise vermittelt werden. Am 1.8.2018 war übrigens Welterschöpfungstag.

Blumenwiese
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2. Österreich mit den SDGs zu umfassender Nachhaltigkeit hin entwickeln

Österreich hat Ende 2015 die SDGs – die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der UN – unterschrieben. Für die Umsetzung der 17 ambitionierten Ziele braucht es Bewusstseinsbildung und verstärkte Diskussionen (z.B. die Ziele „nachhaltiges Wirtschaftswachstum“, „Energie für alle sichern “ – beides unbegrenzt?). Daher wurden Bezüge zu den SDGs bei den Umweltzeichen-Kriterien „Umweltinformation bei Veranstaltungen“, „Fortbildung“ sowie „Projekte“ geschaffen.
Damit dies gelingen kann braucht es außerdem eine Bildung für nachhaltige Entwicklung (siehe: www.umweltbildung.at/bne-kriterien).

3. Lernen ohne Lärm ist gut für die Integration

Lärm (also Schall, der Betroffene stört oder sogar schädigt) ist in vielen Schulen zu einer Gesundheitsbelastung geworden - für PädagogInnen genauso wie für SchülerInnen. Außerdem kann Lärm die Verständlichkeit des Unterrichts verringern, was insbesondere den Sprachunterricht beeinträchtigt. Daher hat das FORUM Umweltbildung das Projekt www.lernenohnelaerm.at gestartet. Davon sind viele Erkenntnisse in die neue Version der Richtlinie eingeflossen.

4. Die Digitalisierung in die richtige Richtung lenken

Digitalisierung wird eines der Themen für Fortbildung oder Projekte. Dabei wird der Focus im Sinne des Umweltzeichens auf Medienkompetenz (inklusive Datensicherheit) und auf die Aspekte der Nachhaltigkeit bzw. Nicht- Nachhaltigkeit der Digitalisierung gelegt.

5. Mehr Informationen von Bildungseinrichtungen über umgesetzte Maßnahmen

Schulen und PH sind sehr aktiv, damit Klimaschutz im Alltag gelebt wird, die Lebensgrundlagen erhalten bleiben oder z.B. Energie und Wasser gespart werden. Für konkrete, durch Zahlen bzw. Daten nachweisbare Maßnahmen bekommen die Bildungseinrichtungen mit der neuen Richtlinie Soll-Punkte, z.B.:

  • Erhöhung der Biodiversität (durch Anlegen von Naschhecken oder naturnahen Ausgleichsflächen)
  • Umstieg auf erneuerbare Energie bzw. (teilweiser) Eigenversorgung mit Energie, Wärmedämmungen
  • hochwertige Radabstellanlagen
  • Verbesserung der Lüftungssituation
  • Verbesserung der Raumakustik (z.B. geringere Nachhallzeiten)
  • mehr vegetarische oder vegane Speiseangebote.

6. Durch Kommunikation besser Bauen und Sanieren

Der VKI Ist frühzeitig über geplante Neu- oder Umbauten bzw. Sanierungen von Bildungseinrichtungen zu informieren. Damit kann der VKI den Verantwortlichen die jeweils aktuellsten Richtlinien für nachhaltige Bildungsbauten (u.a. klimaaktiv-Standards für Bildungseinrichtungen) und best practice Beispiele empfehlen.

Schulen und PH erfahren mehr bei Info-Workshops zum Umweltzeichen

Workshops für Schulen bzw. Pädagogische Hochschulen, die sich für das Umweltzeichen als Leuchtturm unter den Schulprogrammen interessieren, finden 2019 am 28.3. in Wien und am 9.4. in der Stadt Salzburg statt. Informationen bzw. Anmeldungen dazu bei: elisabeth.schneider@bmnt.gv.at.
Die aktuelle Version der Richtlinie UZ 301 siehe: Richtlinie für Schulen und Pädagogische Hochschulen.

Ein komplexer Partizipationsprozess führt zu einem konstruktiven Ergebnis

Das Österreichische Umweltzeichen für Schulen und PH wird gemeinsam von Umwelt- und Bildungsministerium vergeben. Die Kriterien werden alle vier Jahre überarbeitet. In einem umfassenden Prozess moderierte der VKI die Überarbeitung mit Unterstützung des FORUM Umweltbildung. Dabei konnten bis zu 350 Personen mitreden: Umweltzeichen-Schulen bzw. deren LehrerInnen, MitarbeiterInnen, SchülerInnen und Eltern, Berater- und PrüferInnen für das Umweltzeichen sowie Behörden, Verbände, NGO´s und Wissenschaftler aus dem Bildungsbereich.

Die mittlerweile sechste Überarbeitung - die erste Richtlinie stammt von 2002 - begann im Februar 2018 mit einer online-Umfrage zu den Wirkungen des Umweltzeichens und zu Änderungswünschen bezüglich der Richtlinie. Durch die Möglichkeit der Weiterleitung des Fragebogens nahmen 170 TeilnehmerInnen von Bildungseinrichtungen sowie 20 Berater- bzw. PrüferInnen teil. Das ergab fast 2200 Einzel-Antworten zu 15 qualitativen Fragen.

Auf dieser Basis und den Erfahrungen aus der Umsetzung der Richtlinie in den letzten 4 Jahren, den Informationen aus Workshops mit den Berater- und PrüferInnen und Schulen sowie den Zielen für die Überarbeitung wurde ein erster Entwurf erstellt und im März 2018 über ein weiteres online-Tool diskutiert. Die 100 Rückmeldungen von 16 TeilnehmerInnen flossen in den zweiten Entwurf ein.

Dieser Entwurf wurde in einem Fachausschuss im Mai diskutiert. Dabei konnte ein Konsens für die noch offenen Fragen erzielt werden. Schließlich wurde der dritte Entwurf der Richtlinie mit weiteren, kleinen Änderungen im Umweltzeichen-Beitrat Mitte Juni einstimmig beschlossen.