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Augen auf beim Buntstifte Kauf!

Durchgefallen
Buntstifte sollten krftige Farben aufs Papier bringen und nicht gleich brechen. In unserem Test (KONSUMENT) schafften das viele Produkte problemlos – umso bitterer, dass die meisten beim Schadstofftest durchfielen.
Aller Digitalisierung zum Trotz sind Buntstifte aus der Schule wie dem Kinderzimmer nicht wegzudenken. Fast jedes Kind malt damit fr sein Leben gern. Die Produkte sind einzeln oder in Packungen erhltlich. Letztere knnen ein beachtliches Farbspektrum abdecken. Ihre Beliebtheit macht Buntstifte auch zum pdagogisch wertvollen bungsinstrument – sie helfen der Feinmotorik auf die Sprnge und frdern Kreativitt und Phantasie. Kaum ein anderes Malutensil verfgt zudem ber eine derart lange Haltbarkeit. Da die Stifte nicht eintrocknen, sind sie  selbst nach vielen Jahren noch benutzbar.

Qualitt hat ihren Preis
Auch fr Buntstifte gilt: Je hochwertiger die Rohstoffe und je sorgfltiger die Verarbeitung, desto besser das Produkt. Ein guter Stift zeichnet sich dadurch aus, dass die Mine sorgfltig mit dem Holz verleimt wurde. So wird verhindert, dass die Mine beim Spitzen bricht oder ganze Stcke aus dem Schaft rutschen. Auch bei der Mine selbst gibt es je nach Herstellungsverfahren und Zusammensetzung Qualittsunterschiede. Die Lebensdauer einer Mine kann aber auch durchs Spitzen beeintrchtigt werden. Man sollte hochwertige Stifte mglichst mit einem hochwertigen Spitzer mit scharfem Messer anspitzen. Wenn der Stift zu kurz zum Malen geworden ist, muss das verbliebene Stck nicht weggeworfen werden. Mithilfe eines Stiftverlngerers lassen sich Buntstifte fast vollstndig aufbrauchen. Markenhersteller werben mit der gleichbleibenden Qualitt ihrer Stifte. Im Gegensatz zu Aktionsware knnen auch die Einzelstifte eines Sets meistens nachgekauft werden. In unserem aktuellen Test sind 9 der 20 getesteten Produkte durch genaue Farbbezeichnungen beziehungsweise Codes entsprechend gekennzeichnet.

 Buntstifte© memo.de

Weniger Lack ist besser
Buntstifte sind prinzipiell umweltfreundliche Schreibmittel. In der Mine stecken blicherweise Farbpigmente, Bindemittel, Kreide, Kaolin, Fette, Wachs und Seifen. Stifte, die sich mit Wasser vermalen lassen, enthalten Zustze wie etwa Tenside. Fr den Schaft
wird weiches, astfreies Holz verwendet, das sich leicht von Hand anspitzen lsst. Das Holz stammt meist von Plantagen oder Wldern in Kalifornien, Indonesien oder Brasilien. Vor allem Markenhersteller weisen gern darauf hin, dass fr die Produktion keine Regenwlder zerstrt und keine Landschaften verwstet werden. In unserem aktuellen Test sind 8 der insgesamt 20 Produkte mit dem Gtesiegel „FSC“ oder „PEFC“ gekennzeichnet. Damit soll garantiert sein, dass das Holz fr die Produkte aus nachhaltig bewirtschafteten Wldern stammt. Zwei weitere Hersteller geben auf der Verpackung an, dass das verwendete Holz aus zertifizierten, nachhaltig bewirtschafteten Wldern stamme beziehungsweise kein Holz aus dem Regenwald sei. Zwei Produkte (BIC Kids und Eberhard Faber) sind holzfrei. Wer beim Kauf auf die Herkunft der Stifte achtet und Wert darauf legt, dass die Produkte in sterreich oder zumindest in Europa produziert wurden, tut sich relativ leicht. Acht der 20 Produkte wurden gem Herstellerangaben innerhalb der EU gefertigt. Einige Hersteller belassen das Holz roh oder wachsen es hchstens, um die Stifte mglichst naturnah und wohl auch hherwertig erscheinen zu lassen. 
Grundstzlich gilt: Je weniger Lack, umso besser fr die Umwelt. Die meisten im Handel befindlichen Buntstifte sind mit Lack oder Lasur berzogen, was die Produkte in Kinderaugen attraktiver macht.

100 Meter malen
Wir haben uns natrlich weder von Gtesiegeln noch von Herstellerangaben blenden lassen und die Produkte einem intensiven Belastungstest unterzogen. Wir whlten aus jedem Set neun Buntstifte aus. Diese wurden einzeln abgewogen und in einer Reihe in eine Schreibprfmaschine eingespannt. Nach 100 Metern Maldistanz unter den exakt gleichen Bedingungen (z.B. Andruckgewicht, Rotationen) wurde die Maschine angehalten und die Stifte wurden erneut gewogen. So haben wir den Verbrauch der Mine ermittelt. Beurteilt wurde unter anderem die Deckkraft der Farbe und die Gleichmigkeit des Farbauftrags. Mittels Fallprfung wurde untersucht, wie sprde die Mine ist, und auch das Abrollverhalten wurde unter die Lupe genommen.

Regal mit Buntstiften© bmlfuw_Christopher fuchs

Schadstoffbelastung
Das Ergebnis aus technischer Prfung und Handhabung konnte sich unterm Strich durchaus sehen lassen. Nur ganz wenige Produkte (Centi, Pagro, Spar Creative) schwchelten. Vor allem, was die Handhabung angeht, erreichten die meisten ein „gut“ oder ein „sehr gut“. Htten wir uns rein auf die Qualittsprfung beschrnkt, wre der Test ziemlich positiv ausgegangen. Doch Buntstifte sind nun einmal Produkte, die hauptschlich von Kindern verwendet werden. Und wenn es um Spielzeug geht, ist ein Schadstofftest fr uns obligatorisch. Wir lieen die Sets, genauer gesagt bestimmte Farbstifte aus jedem Set, deshalb vom sterreichischen Umweltbundesamt auf enthaltene Schwermetalle und Metalle, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), aromatische Amine und Weichmacher (Phthalate und Phthalatersatzstoffe) untersuchen. Fr 14 Produkte endete diese Prfung damit, dass wir sie mit „nicht zufriedenstellend“ bewerten mussten.

Aromatische Amine
In 13 Buntstifte-Sets fanden wir sehr hohe Belastungen mit aromatischen Aminen, die sich von Azofarbstoffen abspalten knnen. Die Untersuchung erfolgte nach der Norm DIN EN 14362-1. Azofarbstoffe sind synthetische Farbmittel, die fr die Frbung von
Textilfasern, Leder oder Kunststoffen eingesetzt werden. Kinder und Erwachsene knnen Azofarbstoffe unter anderem durch Mundkontakt aufnehmen. Aber auch durch Schwei und Reibung bei der Verwendung von Produkten knnen Azofarbstoffe auf die Haut gelangen und so vom Krper aufgenommen werden. Durch chemische Prozesse knnen daraus aromatische Amine entstehen. Etliche dieser aromatischen Amine sind krebserregend sowie mglicherweise erbgutverndernd (mutagen) und fruchtbarkeitsgefhrdend. Darber hinaus knnen sie Reizungen der Haut verursachen, und auch fr die Umwelt sind sie problematisch. Nach der europischen Spielzeugnorm EN 71-9 drfen bestimmte primre aromatische Amine in esten Spielzeugmaterialien, die eine Spur hinterlassen (wie Buntstifte), nicht in Konzentrationen ber 5 mg/kg enthalten sein. 

PAK und Weichmacher
Ebenfalls hochproblematisch sind bestimmte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). In einer Probe (Rheita Dicke Dreikant-Buntstifte) fanden wir zwei als krebserzeugend eingestufte PAKs – Benzo(a)-anthracen und Chrysen. Diese berschritten den vom deutschen Bundesamt fr Risikobewertung empfohlenen Maximalwert von 0,2 mg/kg. Darber hinaus sind fnf Produkte mit Weichmachern (Phthalaten) belastet. Einige dieser Substanzen sind in Konzentrationen von mehr als 0,1 Gewichtsprozent in Spielzeug und Babyartikeln verboten. Phthalate werden weitreichend und in groen Mengen als Kunststoffweichmacher eingesetzt. Einige dieser Verbindungen beeintrchtigen die menschliche Fortpflanzung (Reproduktionstoxizitt) und drfen daher in Spielzeug, Kosmetika und Lebensmittelkontaktmaterialien ab bestimmten Konzentrationen nicht enthalten sein. Ein Kontakt mit bestimmten Phthalaten wird auch im Zusammenhang mit weiteren negativen gesundheitlichen Auswirkungen wie Asthma, Allergien, oxidativem Stress, Entzndungen und Insulinresistenz diskutiert. Einige Phthalatverbindungen knnen im Krper hormonhnliche Wirkungen entfalten beziehungsweise mit Schilddrsenhormonen und dem Immunsystem reagieren. Derzeit ist eine Beschrnkung von bestimmten Phthalaten in Konsumprodukten in Begutachtung. Wir haben weiters untersucht, ob sich aus Lackbestandteilen und der Mine Schwermetalle  beziehungsweise Metalle herauslsen knnen, wenn man sie verschluckt. Konkret ging es uns um Aluminium, Antimon, Arsen, Barium, Bor, Cadmium, Chrom(III), Chrom(VI), Kobalt, Kupfer, Blei, Mangan, Quecksilber, Nickel, Selen, Strontium, Zinn und Zink. Bei einem Produkt (BIC Kids) konnten keinerlei Metalle oder Schwermetalle
nachgewiesen werden. Bei den anderen Produkten fanden wir die Elemente teilweise in Spuren. Die Konzentrationen lagen alle weit unter den Grenzwerten.

Gesamte Test „Buntstifte“, in KONSUMENT erschienen Online https://www.konsument.at/test-buntstifte082017