Sie sind hier:

Umweltfreundlicher Schulweg

Ohne Auto zur Schule? In ländlichen Gebieten oft eine Herausforderung, in Städten keine Seltenheit. Schulen mit dem Umweltzeichen gehen mit gutem Beispiel voran.
 
Eltern-Taxi – so werden die elterlichen Fahrdienste für den Nachwuchs, sei es zur Schule oder zu Freizeitaktivitäten, oft genannt. Denn Eltern verbringen viel Zeit damit, ihre Kinder von einem Ort zum anderen zu bringen. Vor allem außerhalb großer Städte sind Familien oft auf ihr Auto angewiesen, da der öffentliche Verkehr zu wünschen übrig lässt.  Eine Studie der Wiener Arbeiterkammer, die 2014 in den niederösterreichischen Regionen Triestingtal und Schneebergland durchgeführt wurde, zeigt: 83 Prozent aller Wege werden mit dem Pkw zurückgelegt, sieben Prozent zu Fuß und nur zwei Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln. 54 Prozent der Befragten sind mit dem öffentlichen Verkehr (ÖV) in der Region nicht zufrieden, 47 Prozent vertreten die Meinung, dass ein besserer ÖV ihre täglichen Wege erleichtern würde – insbesondere dann, wenn dadurch die selbständige Mobilität der Kinder unterstützt würden. Die Befragten wünschten sich eine Verkürzung von Intervallen und bessere Umsteigemöglichkeiten sowie die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur für Fußgänger und Radfahrer. 
 
Autofasten Rupprechter und Gerhartinger© Hoa Vu
Umweltminister Andrä Rupprechter und der Umweltbeauftragte der Erdziözese Wien, Markus Gerhartinger, unterstützen Autofasten (Fotografin Hoa Vu)
 
Autofasten in der Fastenzeit von 1. 3. bis 15. 4. 2017
Die Initiative „Autofasten“ widmet sich ebenfalls dem Schulweg und fordert Schüler und Eltern auf, das Auto zumindest während der Fastenzeit stehen zu lassen. Als Alternativen werden der Fußweg, öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad oder der Scooter empfohlen. Schüler bekommen einen Mitmachkalender, in dem der Schulweg eingetragen wird, dazu gibt es österreichweite Veranstaltungen und Materialien für Schulen. Aber auch Privatpersonen können an dieser Initiative teilnehmen.
 
Mit dem Rad durch die Stadt
In großen Städten wie Wien ist es einfacher, ohne Auto unterwegs zu sein, da hier der öffentliche Verkehr besser ausgebaut ist. „Im ländlichen Raum fehlt häufig die Abstimmung zwischen Schulanfangs- und -endzeiten und dem Busfahrplan“, erklärt Dipl.-Ing.in Wiebke Unbehaun, Raumplanerin am Institut für Verkehrswesen der Universität für Bodenkultur Wien. „Auch Fuß- und Radwege, auf denen Kinder selbständig und sicher unterwegs sein können, gibt es zu wenige.“
Schulen mit dem Umweltzeichen versuchen hier, einen anderen Weg zu gehen: die Volksschule Markt Allhau im Burgenland setzt auf Bildungsmaßnahmen zum Thema Verkehrssicherheit und regt ebenso wie die VS St. Stefan im kärntnerischen Lavanttal Schüler und Eltern dazu an, Fahrgemeinschaften zu bilden. Auch das BG und BRG Boerhaavegasse im dritten Wiener Gemeindebezirk hat sich des Themas Mobilität angenommen. „In einem Projekt in Zusammenarbeit mit dem Klimabündnis gab es eine Umfrage zum Schulweg“, erzählt Umweltbeauftragte Sieglinde Binder-Knoll. Ein Großteil der Schüler gab an, zu Fuß oder mit dem Fahrrad in die Schule zu kommen. „In einem Workshop befassten sich die Schüler unter anderem mit der Größe eines Parkplatzes – sie waren erstaunt, wie viel Platz ein parkendes Auto wegnimmt.“
 
Die klimaaktiv-Initiative „Mobilitätsmanagement für Kinder, Eltern und Schulen“ des Umweltministeriums bietet österreichweit Beratung zu klimafreundlicher und gesunder Mobilität für Bildungseinrichungen.
 
Zu Fuß in die Schule zu gehen vermeidet nicht nur Umweltbelastungen wie Lärm, Feinstaub oder CO2, es fördert auch die Gesundheit im allgemeinen und insbesondere die Durchblutung des Gehirns. Dadurch steigt die Konzentrationsfähigkeit im Unterricht. „Aktive eigenständige Mobilität schafft Selbstbewusstsein, senkt das Risiko für motorische Defizite und unterstützt die Selbstständigkeit und Kontaktfähigkeit der Kinder“, ergänzt Raumplanerin Wiebke Unbehaun.