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Wie nachhaltig ist der Online-Handel?

Das Paket mit den neuen Büchern ist da. Praktisch, man muss das Haus gar nicht mehr verlassen, um an begehrte Dinge zu kommen. Sogar Lebensmittel kann man sich liefern lassen. Aber wie nachhaltig ist der Online-Handel?

Unser Einkaufsverhalten hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Laut einer Studie der österreichischen Wirtschaftskammer stieg der Jahresbruttoumsatz aus dem Online-Handel von rund 700 Millionen Euro im Jahr 2006 auf 2,9 Milliarden 2013 und beträgt aktuell 4,5% des gesamten Einzelhandelsvolumens. Nun ist Versandhandel nichts Neues, aber in Kombination mit Laptop und Smartphone wird er immer bedeutender. Bekleidung, Bücher bzw. Zeitschriften, Elektro- und Elektronikgeräte sind die beliebtesten Produktkategorien, aber auch Lebensmitteleinkäufe nehmen stark zu. Zu den wichtigsten Online-Portalen zählen amazon, willhaben.at und eBay.

Kritische, an Nachhaltigkeit interessierte KonsumentInnen suchen nach Alternativen zu Online-Großhändlern. Sie wollen ökologische, regionale Produkte, die auch fair vertrieben werden. So bietet etwa die Plattform www.myproduct.at Produkte kleiner und mittlerer bäuerlicher Unternehmen. Die Arche Noah verschickt Samen, Bücher und Setzlinge seltener Pflanzensorten auf Bestellung. www.ecopotio.eu ist ein Shop für Umweltzeichen-Produkte, der sich in erster Linie an Hotels richtet und die nachhaltige Beschaffung erleichtert.

Ökobilanz

Nachhaltige Produkte gibt es also bereits online zu bestellen. Da es sich zumeist nicht um Massenware mit vielen Verkaufsstellen handelt, ist der Zugang über das Internet hier besonders sinnvoll. Aber wie sieht die Ökobilanz von Zustellung und Retouren aus? Nimmt man Transport, Logistik, Verpackung und Emissionen des Online-Handels genauer unter die Lupe, wird man überrascht sein: Der Online-Handel kann eine bis zu vier Mal bessere Ökobilanz aufweisen, wenn mit einer Lieferfahrt mehrere EndkundInnen beliefert und erreicht werden, wenn der erste Zustellungsversuch klappt und die Ware nicht zurückgesendet wird. Das größte Problem sind die Retouren, die vor allem im Modeversand über 50% betragen. Dennoch hat der Online-Handel großes Potenzial, Verkehr zu reduzieren, wenn sich die Kunden an die Spielregeln halten.

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Neue Richtlinie für emissionsarmen Transport

Der Transport selbst könnte auch noch wesentlich umweltfreundlicher gestaltet werden. Wie, das zeigen die neuen Richtlinien für emissionsarme Transportsysteme des Österreichischen Umweltzeichens. Relativ leicht ist es, das Gütesiegel dann zu erhalten, wenn mit Fahrrädern geliefert wird. Ist nicht Muskelkraft, sondern Strom die Antriebskraft, so muss es nachweislich Ökostrom sein. Das gilt für die Bahn ebenso wie für den Zubringer- und Verteilerverkehr. LKW’s bis 3,5 t müssen dem Emissionsstandard EURO 5 entsprechen, über 3,5 t EURO 6. Zusätzlich müssen sie lärmarme, spritsparende Reifen montiert haben und möglichst aerodynamisch gebaut sein. Für die Lenker ist ein Spritspartraining Pflicht. Neben den Fahrzeugen müssen auch Depots und Betriebsstätten hohen ökologischen Standards entsprechen.