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Buffet-Reste zum Mitnehmen

Rund eine Million Menschen in Österreich leben in Armut oder sind armutsgefährdet. Vielen fehlt es selbst am Notwendigsten wie etwa einer Mahlzeit am Tag. Auf der anderen Seite landet in Österreich sogar frisch gebackenes Brot oft direkt im Müll. Auch die Reste festlicher Buffets müssen entsorgt werden. Mit der TafelBox soll hier versucht werden, Abhilfe zu schaffen.


Das schlechte Gewissen isst oft mit, wenn man sich bei überquellenden Buffets das nächste Brötchen nimmt und trotzdem noch Unmengen an köstlichen Speisen übrig bleiben. Mit einem innovativen Konzept bietet die Wiener Tafel nun eine Lösung an, auch bereits verarbeitete und zubereitete Lebensmittel vor der Entsorgung zu bewahren. Mit der TafelBox soll die Öffentlichkeit gegen die Wegwerfkultur in unserer Gesellschaft sensibilisiert werden.

Die TafelBox

Nach einem sechsmonatigen Probelauf mit fast 100 Veranstaltungen wurde die Box im Oktober der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie soll nicht nur verhindern, dass hochwertige Produkte im Müll landen, sondern die Menschen auch zuhause an den sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln erinnern.

Markus Hübl, Pressesprecher der Wiener Tafel: „In Kooperation mit der Kastner-Gruppe und der Firma Pacovis bieten wir eine lebensmittelechte, gut verschließbare Lebensmitteltransportbox aus einem kompostierbaren Material an, die von Cateringunternehmen für Veranstaltungen mit Buffet erworben werden kann. Die Gäste werden am Ende der Veranstaltung aufgefordert, die übrig gebliebenen Speisen einzupacken und mit nach Hause zu nehmen.“ Eine TafelBox kostet bei einer Mindestabnahmezahl von 300 Stück 50 Cent, davon gehen 20 Cent an die Wiener Tafel als Spende für die Transferarbeit.

Das Konzept der TafelBox steht erst am Anfang und es gilt noch eine Vielzahl von Hürden zu überwinden. So ist etwa die Akzeptanz in der Stadt weitaus höher als im ländlichen Raum, wo das Mitnehmen von Speisen bei einem Buffet peinliche Reserviertheit auslöst. Die Wiener Tafel stellt sich damit den logistischen, gesetzlichen und gesellschaftspolitischen Herausforderungen und beschreitet mit dem Konzept der TafelBox Neuland. Markus Hübl: „Die Rettung von bereits verarbeiteten Lebensmitteln soll langfristig durch konkrete Lösungsansätze und Öffentlichkeitsarbeit, aber auch durch Gesetzesänderungen möglich werden. Mit dem Konzept der TafelBox schaffen wir Fakten und beweisen, dass sich mit klugen Lösungen und vereinten Kräften auch gesellschaftlich hochkomplexe Probleme lösen lassen.“

15 Jahre Wiener Tafel

Die Wiener Tafel wurde vor 15 Jahren gegründet und ist damit der älteste Verein für sozialen Transfer in Österreich. Die mehr als 450 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen retten jeden Tag bis zu 3.000 Kilogramm original verpackte Lebensmittel vor der Entsorgung im Müll. Überschüssige Produkte, die genusstauglich sind und rund 16.000 Armutsbetroffenen in 99 sozialen Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Österreichweit gibt es weitere vier Organisationen dieser Art, die im Frühjahr einen Dachverband gegründet haben.

Überproduktion, Logistikfehler, Fehletikettierung, optische Mängel und kleine Verpackungsschäden sind Gründe dafür, dass einwandfreie Lebensmittel im Müll landen. In Wien werden jeden Tag so viele Backwaren vernichtet, wie täglich in ganz Graz verzehrt werden. Markus Hübl: „Wir sind ein unabhängiger Sozial- und Umweltverein, der sich über Spenden finanziert und wie eine Sozialspedition funktioniert. Unsere ausschließlich ehrenamtlichen MitarbeiterInnen holen mit insgesamt fünf Fahrzeugen die Lebensmittel ab und bringen sie zu den Stellen, wo sie gebraucht werden.

Die Lieferanten sind nicht nur Lebensmittelhändler, sondern auch Produzenten und landwirtschaftliche Betriebe. In letzter Zeit erhalten wir auch von Speditionen Lebensmittel, die durch Logistikfehler dort liegen geblieben sind. Der Bedarf wird mit EDV-Unterstützung in den Einrichtungen erhoben, um Lieferungen zu vermeiden, die gerade nicht gebraucht werden.“ Die Wiener Tafel sieht sich neben dem sozialen Auftrag aber auch als Umweltorganisation, bei der nachhaltiges Tun im Mittelpunkt steht. Zwei der fünf Lieferfahrzeuge wurden auf Erdgas umgerüstet und seit kurzem ergänzt ein elektrisches Dreirad mit Anhänger den Fuhrpark.

www.wienertafel.at