Schadstoffe in Wohnräumen
Dicke Luft
Wir alle kennen die bleierne Müdigkeit, die einem bei langen Vorträgen im Hörsaal oder im Schulunterricht befällt. Man kann sich nicht mehr konzentrieren und lässt die Gedanken schweifen. Das liegt nicht nur am langweiligen Vortrag, sondern schlichtweg an zu wenig Sauerstoff in der Luft. In Klassenzimmern ist dieser Punkt oft schon nach 15 Minuten erreicht. Die 200 Schülerinnen und Schüler der Öko-Hauptschule Mäder in Vorarlberg haben es hier besser. Die Lüftungsanlage der Umweltzeichen-Schule sorgt automatisch für eine optimale Luftqualität.
Die kontrollierte Wohnraumlüftung wird zunehmend auch in Privathäusern und Wohnhausanlagen eingesetzt. Zu Recht, denn wollte man in der Wohnung ständig frische Luft genießen, müsste man alle zwei Stunden lüften – vor allem auch in der Nacht im Schlaf- und Kinderzimmer. Im Sommer kann man die Fenster kippen, im Winter ist das keine Lösung, weil die ganze Wärme verloren geht, die Fensterlaibung stark abkühlen und sich der Schimmel wunderbar ausbreiten kann.
Wenn das Haus krank macht
In geschlossenen Räumen kann auch die Konzentration von Schadstoffen recht hohe Werte erreichen. Manchmal atmet man sogar mehr davon ein als an dicht befahrenen Straßenkreuzungen. Diese belastete Luft kann zum „sick building syndrom“ führen – ein recht unspezifisches Krankheitsbild, das von Kopfschmerzen über Störungen des Gedächtnisses und der Konzentrationsfähigkeit bis zu Depressionen reicht.
Ein wichtiger Indikator für belastete Luft ist die eigene Nase. Unser Geruchssinn ist außerordentlich sensibel und man spürt einen Schadstoff bereits in sehr geringen Konzentrationen. Man muss öfters niesen, ist immer wieder krank, leidet unter brennenden Augen oder Atemwegserkrankungen. Wenn man beobachtet, dass diese Symptome zu Hause schlimmer sind als im Büro oder auf Reisen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Raumluft belastet ist.
Hunderte von Ursachen
Schadstoffe können sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein und aus verschiedenen Quellen stammen. Bekannt ist das Reizgas Formaldehyd aus Spanplatten, die vor der Formaldehydverordnung aus dem Jahr 1990 produziert worden sind. In Fertighäusern aus dieser Zeit ist noch heute mit einer erhöhten Belastung zu rechnen. Aber auch in Lacken, Wandfarben, Teppich- und Parkettklebern, Brandschutzbeschichtungen oder Grundierungen befinden sich chemische Lösungsmittel aus flüchtigen organischen Verbindungen, die die Raumluft belasten. Wollteppiche sind sehr oft mit Mottenschutzmitteln versetzt. Diese Stoffe können sich im Hausstaub anlagern, was vor allem bei Kleinkindern zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Aggressive Reinigungsmittel können die Raumluft ebenso kurzfristig belasten. Man merkt es daran, dass ein Putzmittelgeruch oder ein Parfumgeruch in der Wohnung bleibt.
Schadstoffe vermeiden
Vermeiden Sie soweit wie möglich diese Schadstoffe. Das Österreichische Umweltzeichen bietet in vielen Anwendungsbereichen eine wertvolle Orientierungshilfe. Ausgezeichnete Produkte müssen strenge Richtlinien erfüllen.
Wenn Sie in eine frisch renovierte Wohnung einziehen und keinen Einfluss darauf hatten, mit welchen Materialien gearbeitet wurde, sollten Sie in den ersten Monaten ganz penibel auf eine ausreichende Lüftung achten. Riecht es nach einem halben Jahr immer noch streng, dann ist dies ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Dann sollten Sie eine professionelle Expertise einholen. Ganz falsch wäre es, den Geruch mit Luftsprays, Räucherstäbchen oder ähnlichem zu überdecken. Da wird der ohnehin schon belasteten Luft noch ein weiterer chemischer Stoff zugefügt.




